Analysen im Politbüro- 1988 war es zu spät
  

 

ESER -Thema im Politbüro!

 

Analysen der DDR- Führung 1988 zur Strategie der Wirtschaftspolitik

Auszug aus " Chronik der Mauer "

Heute findet man zu wichtigen Dokumenten der Wirtschaftspolitik der SED erstaunlich viele Dokumente,  z.B. sind Vorlagen für das Politbüro 1988 von G. Schürer und G. Mittag heute interessante Zeitdokumente. Auf der WEB- Seite  Chronik der Mauer  können Sie z.B. viele Dokumente finden, auch eine vollständige Abschrift eines interessanten Vorganges. 1988 war wohl das Schicksals- Jahr für eine letztmögliche Korrektur der Wirtschaftspolitik der DDR. Mutige Leute, wie Gerhard Schürer, waren darum noch bemüht und Intriganten und Ignoranten torpedierten. Es ist wert, das  noch einmal zu lesen.  

Nachfolgend möchte ich einen Auszug daraus in diese WWW-Seite aufnehmen, der u. E. summa summarum eine klare Bestätigung unserer Arbeit im ESER von damals höchster Stelle abbildet, auch noch 1988 .  Jahre zuvor war diese Bedeutung  ja weitgehend allgemein anerkannt. Wenn auch Schürers Bemühungen damals offenbar von Mittag unterlaufen werden konnten, so spricht doch das Dokument für sich.

Es gab in Karl- Marx- Stadt eine Phase der  ESER Geschichte (bis ca. 1985), da  hatten wir sehr viele Persönlichkeiten zu Besuch, "Staatsbesuche" und hohe Persönlichkeiten aus In- und Ausland oder auch aus den wichtigsten DDR- Ministerien ... Dann wurde der Bereich Dresden das Zentrum der 32- Bit Euphorie und bei E2 verbreitete sich eine zweifelnde Meinung, dass das PB in Berlin von vielen Informationen abgeschirmt wird und gar nicht mehr versteht, was ESER aktuell leistet und für die DDR bedeutet. Ansonsten würde sich unsere Arbeit im ESER doch wohl deutlich einfacher mit mehr Rückenwind durch das MEE und die Kombinatsleitung gestalten... .Und man mußte zweifeln, ob in Berlin verstanden wurde, dass die ESER-IV Konzeption der DDR auf der Grundlage bereits getätigter bzw. laufender Investitionen in die CMOS- Linie der DDR- Mikroelektronik aufbaute und daher andere aufwendige Investitionen, z.B. für 32 Bit Spezialschaltkreise, überflüssig wären. 

 In dem zitierten Hauptdokument  und den nachfolgenden Auszügen wird der volkswirtschaftliche Wert der ESER- Exporte (neben anderen Wirtschaftszweigen, vor allem auch aus der Chemnitzer und Dresdner Gegend stammend) sehr deutlich.

Wie wir sehen ( und wie unter "Wirtschaftlichkeit" schon sehr ausführlich dargestellt) , hatte auch noch 1988 die Rechentechnik für die Wirtschaft der DDR - gemäß der genannten  Analyse - durchaus ein bedeutsames Gewicht, besonders für die Gestaltung der Exportpolitik der DDR und die Schaffung von Nationaleinkommen ( und sie behielt es bis zum Verschwinden der DDR und des Transferrubels). Wenn auch auf dem Niveau des Politbüros die Kategorie Rechentechnik nicht weiter  differenziert wurde, so hatte im praktischen Exportgeschehen und in der Rolle  am Markt die ESER- Linie ein grundsätzlich anderes Gewicht!  Das stand leider im Gegensatz zu vielen Aktionen der Leitung des Kombinat Robotron, wo schon seit ca. 1986 versucht wurde, die Produkt-Linie der ESER- Mainframes der DDR zu (er)drosseln, um die sog. 32-Bit Technik gemäß einer "CAD-CAM Politbüro- Vorlage" durchzudreschen und auch bei Zulieferern  Kapazitäten freizusetzen. Es wurde in anderen Artikeln dieser WEB- Seiten versucht, die Hintergründe dafür näher zu beleuchten... 

Für den Eingeweihten ist aber auch anhand der zitierten Dokumente deutlich , dass man in Berlin zu feige oder inkompetent war oder zu "Mittag- hörig", bzgl. des EXPORT- Gewichtes zwischen ESER und SKR zu differenzieren, denn bei SKR war der Export, Drucker ausgenommen,  ja fast "0". Und es ist schon beachtenswert, dass "abgestimmt" (mit der UdSSR??) angeblich genau das dargestellt wurde, was in der CAD-CAM Vorlage der DDR stand, auch wenn es dafür laut MRK- Dokumenten keine Grundlage gab! Ein Entwicklungsplan im Rahmen der MRK, wo jeder alles reinschreiben konnte, ist ja noch kein Liefervertrag.

Hervorheben möchte ich auch eine Passage, wo G. Schürer 1988 versuchte, das Ungleichgewicht zwischen Investitionen in die Mikroelektronik und deren Verwertung in exportfähigen DDR-Produkten zu verbessern:

"Gemeinsam mit der UdSSR haben wir uns auf dem Gebiet der Mikroelektronik eine starke Position im RGW erarbeitet. Allein im Fünfjahrplanzeitraum 1986 - 1990 investieren wir dafür ca. 15. Mrd. M, darunter ca. 2,5 - 3 Mrd. Valutamark. Weitere rd. 10 Mrd. Mark werden für die Einführung der CAD/CAM- und Rechentechnik eingesetzt. Für die Intensivierung der gesamten Volkswirtschaft der DDR ist das ein entscheidender Faktor.
Der Export elektronischer Erzeugnisse in sozialistische Länder ist durch das höhere Preisniveau gegenüber den Weltmarktpreisen zur Zeit rentabel. Auf dem NSW- Markt sind die Erzeugnisse jedoch nur mit umfangreichen staatlichen Stützungen zu verkaufen.
 

Entsprechend der Grundthese, daß jetzt eine "Ehe" zwischen Elektronik und Maschinenbau entwickelt werden muß, wird eine große Chance darin gesehen, unsere Elektronik über Maschinenbauexporte auf den Weltmarkt zu bringen.

Das erfordert jedoch, solche Kombinate wie Werkzeugmaschinenbau, Textima, Polygraph, Nagema, Medizintechnik, Haushaltgeräte u.a., die Erzeugnisse mit hoher Exportrentabilität produzieren, ökonomisch zu stärken. Wir sollten die Mikroelektronik intensiv weiter entwickeln, modernisieren und durch Spezialisierung, insbesondere mit der UdSSR, die Kosten senken. Zunächst sollen aber keine weiteren neuen Betriebe gebaut, sondern mehr Akkumulationskraft auf die Kombinate des Verarbeitungsmaschinenbaus gerichtet werden, die große und effektive Absatzchancen haben und mit Ausnahme des Werkzeugmaschinenbaus zur Zeit kaum die einfache Reproduktion realisieren."

Mittag hat auch diesen Versuch offenbar niedergemacht.

Natürlich war die Intervention von G. Schürer bei weitem nicht ausreichend und umfassend, aber wer hatte sonst noch den Mut und war im Politbüro bereit, über die eklatanten Probleme  der DDR- Wirtschaftspolitik nachzudenken und ernsthafte Schlussfolgerungen abzuleiten, unabhängig davon, dass es wohl schon fast zu spät war? Eine klare  Neubestimmung des Kurses hätte aber wohl den massenhaften Vertrauensverlust der Bevölkerung aufgehalten und eine konsequente Reformpolitik mit von DDR- Seite aktiv gesteuertem Übergangscharakter zu einem demokratischen, marktoffenen Sozialismus gestalten helfen.

Für diese ESER- WEB- Seite war uns wichtig:  Wir sehen viele Jahre später eine sehr interessante Bestätigung der Hauptansätze dieser  ESER- DDR.de- Webseite, in der ein wichtiger Aspekt darauf gelegt wurde, die volkswirtschaftliche Bedeutung des ESER, auch für die Zeit nach 1985, die Rolle der Kooperation mit der UdSSR und den Wert unserer Arbeit für eine gute Zukunft der DDR zu unterstreichen und nicht nur -wie oft praktiziert- die Ingenieur-Leistungen unserer Mitarbeiter zu würdigen .

Unabhängig davon möchten wir nach den Original-Auszügen (Hervorhebungen im Text der PB- Texte durch meine Person- G.J)  einige Kommentare geben, die offensichtlich zeigen, wie Personen wie Mittag mit falschen und manipulierten Informationen und Intrigen die Meinung der Mitglieder des PB steuerten!

Auszüge aus Chronik der Mauer  

 

[Günter Mittag] Berlin, 3.5.1988
Zur Prüfung des Materials des Vorsitzenden der Staatlichen Plankommission, Genossen Gerhard Schürer,

 

"Überlegungen zur weiteren Arbeit am Volkswirtschaftsplan 1989 und darüber hinaus"

 

Anlage 1 zum Material von Mittag an das Politbüro vom 03.05.1988

 

1. Mikroelektronik

Auf dem Gebiet der Mikroelektronik hat sich im Ergebnis der mehr als 15 jährigen Zusammenarbeit (1) ein hoher Grad der Verflechtung bei der Entwicklung und Produktion von mikroelektronischen Bauelementen und ihrer Produktion herausgebildet.

In den letzten Jahren wurde die Hauptrichtung der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit bestimmt durch die gemeinsame bzw. arbeitsteilige Entwicklung der Mikroelektronik als der übergreifenden Schlüsseltechnologie und die Produktion neuer Generationen von integrierten Schaltkreisen, darunter Speicherschaltkreisen und Mikroprozessoren sowie technologische Spezialausrüstungen für ihre Produktion.

Die DDR konzentrierte sich dabei auf die Entwicklung fotolithografischer Ausrüstungen zur Bedarfsdeckung der Halbleiterindustrie der DDR und der UdSSR und auf das Gebiet der analogen Schaltkreise, insbesondere für die Produktion moderner elektronischer Konsumgüter. Zur Erfüllung der Verpflichtungen wurden in der DDR mit hohem materiellen und personellen Aufwand die Kapazitäten in der Forschung und Entwicklung sowie Produktion modernisiert und erweitert. Auf dieser Basis wurden überdurchschnittliche Steigerungen der gegenseitigen Lieferungen von elektronischen Bauelementen und technologischen Spezialausrüstungen erreicht.

Im Rahmen des Regierungsabkommens "Mikroelektronik" steht die Entwicklung und Einführung neuer Basistechnologien zur Beherrschung immer geringerer Strukturbreiten integrierter Schaltkreise im Mittelpunkt.

1986 und 1987 wurden in der Zusammenarbeit folgende wesentliche Ergebnisse erreicht:

  • Zur Beherrschung einer Strukturbreite bis 1,5 µm wurden 1986/87 bedarfsdeckende Lieferungen (2)  bei fotolithografischen Ausrüstungen erreicht, wie Elektronenstrahl-Bearbeitungsanlagen ZBA 20, automatische Überdeckungsrepeater AÜR, Rasterelektronenmikroskope ZMR 20, fotolithografische Kontrollgeräte BMG 160 und SVG 160.

  • Als Bestandteil einer Versuchslinie (System A) zur Erprobung und Vervollkommnung der Technologie für die Fertigung von 256 KBit-Speicherschaltkreisen werden 1987 in der DDR die Ausrüstungen für das Teilsystem zum Beschichten, Entwickeln und zur Wärmebehandlung des Fotolacks, Ausrüstungen für die chemische Beschichtung der Typen IICVD 52 und IICVD 55 sowie eine Anlage für die Hochdruckreinigung in der Entwicklung abgeschlossen und erste Ausrüstungen geliefert.

  • Die Entwicklung eines 64-KBit-dynamischen Schreib- und Lesespeichers wurde 1986 in der DDR abgeschlossen; die Serienproduktion begann 1987. Gleichfalls erfolgt im Jahr 1987 der Abschluss der Entwicklung eines 256-KBit-dynamischen Schreib- und Lesespeichers, dessen Produktion 1988 erfolgen wird

  • Das Mikroprozessorsystem K 1810 (3) der UdSSR wird durch die Entwicklung von Zusatzschaltkreisen in der DDR erweitert, damit werden neue Anwendungsgebiete erschlossen.

  • Für eine neue Generation von Farbfernsehgeräten mit erhöhtem Integrationsgrad wurden 1987 die in der DDR entwickelten analogen Schaltkreise der Reihe 45 im Farbblock umgeleitet und in die UdSSR geliefert.

  • Durch die UdSSR wurde 1986 durch die Lieferung von speziellen Digital- Analog- und Analog-Digital-Wandlern zur Produktion von fotolithografischen Ausrüstungen in der DDR beigetragen. 1987 wurde mit der Lieferung von 64-KBit-dynamischen Schreib- und Lesespeichern aus der UdSSR begonnen.

Im Ergebnis der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit und der auf dieser Grundlage erfolgten Spezialisierung bei mikroelektronischen Bauelementen und technologischen Spezialausrüstungen wurde für 1987 ein gegenseitiger Warenaustausch in Höhe von 1,3 Mrd. Mark vereinbart. Der Anteil spezialisierter Erzeugnisse beträgt dabei mehr als 75 Prozent und umfasst bei Lieferungen aus der UdSSR

  • 64 Positionen integrierter Schaltkreise
  • 54 Positionen Dioden und Transistoren
  • 6 Positionen passive Bauelemente
  • 17 Positionen technologische Spezialausrüstungen

und bei Lieferungen der DDR

  • 5 Positionen analoge integrierte Schaltkreise
  • 19 Positionen Keramikgehäuse
  • 23 Positionen technologische Spezialausrüstungen.

Insgesamt wird die DDR im Jahre 1987 mikroelektronische Bauelemente und technologische Spezialausrüstungen in Höhe des im Jahresprotokoll vereinbarten Volumens von 584 Mio Mark an die UdSSR liefern.

Die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit bis 1990 konzentriert sich auf die gemeinsame Lösung folgender Hauptprobleme:

  • Entwicklung und Überleitung von Speicherschaltkreisen des Niveaus von 1 MBit und höher ab 1989/90 sowie gemeinsame Schaffung der technologischen Verfahren und der Ausrüstungsbasis entsprechend dem System A, 2. Etappe.

  • Gemeinsame Entwicklung von 32-Bit- und weiteren perspektivischen Mikroprozessorsystemen für den Einsatz in der Rechen- und Automatisierungstechnik sowie weiteren Gebieten (4).

  • Arbeitsteilige Weiterentwicklung der analogen integrierten Schaltkreise für den Einsatz in elektronischen Konsumgütern.

  • Weiterentwicklung der Keramikgehäuse für integrierte Schaltkreise, insbesondere für hochpolige Anschlußzahlen mit verringerter Verschließtemperatur in der DDR.

  • Arbeitsteilige Schaffung von optoelektronischen Bauelementen, insbesondere von LD-Displays für die Informationsein- und ausgabe.

  • Entwicklung von Fotodioden für 1,3 µm Wellenlänge, spezieller Steckverbinder und kompletter Empfangsmodule für Übertragungsgeschwindigkeiten von 34 und 140 MByte/sec. bis 1988 in der DDR als Beitrag für die Lichtwellenleiter-Nachrichtentechnik.

  • Gemeinsame Schaffung der Bauelementebasis eines einheitlichen digitalen Vermittlungssystems für Nebenstellen-, Orts- und Fernzentralen. Als wesentlicher Beitrag der DDR erfolgt die Entwicklung und Überleitung von 13 Typen hochintegrierter Schaltkreise.

  • Weitere Entwicklung der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Montage integrierter Schaltkreise zur Erhöhung des Automatisierungsgrades mit dem Ziel der Sicherung einer überdurchschnittlichen Produktionssteigerung.

Außerdem werden gemeinsam durch die Akademien der Wissenschaften beider Länder hochleistungsfähige Verfahren der Molekularstrahlepitaxie und Ionenstrahltechnologie sowie für die Herstellung von Submikrometer-Bauelementen auf der Basis von Galliumarsenid-Dünnschichtstrukturen und integrierte optische und akustooptische Bauelemente neue wissenschaftliche Lösungen erarbeitet.

Zur Vorbereitung der effektiven Nutzung neuer Bauelementegenerationen, insbesondere in der Rechen- und Automatisierungstechnik, wird die Bereitstellung qualitativ hochwertiger Basissoftware und problemorientierter Anwendungssoftware sowie neuer Softwaretechnologien wissenschaftlich vorbereitet.

 

2. Elektronische Rechentechnik

Die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit auf dem Gebiet der elektronischen Rechentechnik gründet sich auf das Regierungsabkommen aus dem Jahre 1968.
Im Mittelpunkt stand in Zusammenarbeit mit der UdSSR und anderen sozialistischen Ländern die Schaffung einer gemeinsamen rechentechnischen Basis mit dem "Einheitlichen System elektronischer Rechentechnik" ESER und dem "System der Kleinrechner" SKR, die eine breite Anwendung der modernen Datenverarbeitungstechnik unabhängig von NSW- Importen ermöglichten.

Die DDR konzentriert sich dabei auf die Entwicklung und Produktion mittlerer Zentraleinheiten und ausgewählter peripherer Geräte, wie Magnetbandgeräte und Drucker sowie gemeinsam mit der UdSSR auf die Entwicklung der Betriebssysteme der ESER.

Auf dieser Grundlage hat sich auf dem Gebiet der elektronischen Rechentechnik ein bedeutender Warenaustausch entwickelt. 1986 konnte in Leningrad die 1000. EDV-Anlage aus der DDR an die UdSSR übergeben werden.

Im Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht gegenwärtig die Einführung neuer Erzeugnisse für die massenhafte arbeitsplatznahe Anwendung der Rechentechnik, insbesondere für CAD/CAM-Lösungen (5).

Folgende wesentliche Ergebnisse wurden 1986 und 1987 erreicht:

  • Abschluss der Entwicklung und Beginn der Lieferungen an die UdSSR im Jahre 1986 und 8-Bit Personalcomputern PC 1715. 1987 werden insgesamt 13.000 Stück an die UdSSR geliefert.

  • Aufnahme der Produktion eines mit der UdSSR abgestimmten 16-Bit-Arbeitsplatzcomputers (6) für die Anwendung zur Rationalisierung bei der Vorbereitung der Produktion als rechnergestützter Arbeitsplatz für Konstrukteure und Technologen. Die Lieferungen beginnen 1987.

  • Einführung einer neuen, mit der UdSSR abgestimmten Reihe von Mosaikdruckern in die Produktion. 1987 werden insgesamt 24.000 Stück Drucker an die UdSSR geliefert.

  • Kontinuierliche Fortsetzung der arbeitsteiligen Entwicklung der Betriebssysteme für die elektronischen Datenverarbeitungsanlagen des ESER mit dem Schwerpunkt der Unterstützung grafischer Arbeiten durch Rechner.
    1987 werden Programmunterlagen im Umfang von jeweils 60 Mio M/VGW auf vertraglicher Basis ausgetauscht.

  • Mitwirkung der DDR bei der Rekonstruktion von Betrieben der Automobilindustrie der UdSSR durch die Entwicklung und Bereitstellung von problemorientierten Komplexen (POK) für die Betriebsdatenerfassung und -verarbeitung im Umfang von jährlich 70 Mio Mark.

  • Gemeinsame Prüfung der in der DDR neu entwickelten Zentraleinheiten für die elektronische Datenverarbeitungsanlage EC 1057 entsprechend der abgestimmten 3. Generation des ESER. Die Lieferung dieser leistungsfähigen Zentraleinheit beginnt 1988.

Im Ergebnis der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit beträgt der gegenseitige Warenaustausch von Mitteln der Rechentechnik einschließlich Erzeugnissen der Schreib- und Bürotechnik 1987 ca. 2,5 Mrd. Mark.

Entsprechend den getroffenen Vereinbarungen sind für die weitere Entwicklung und Anwendung dieser Schlüsseltechnologien folgende Hauptrichtungen der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit für den Zeitraum bis 1990 und darüber hinaus vereinbart:

  • Entwicklungsarbeiten auf der Grundlage der 1986/87 gemeinsam erarbeiteten Vorprojekte für die 4. Generation des ESER und SKR.
    Dazu gehören die Entwicklung einer Zentraleinheit durch die DDR mit einer Operationsgeschwindigkeit von ca. 10 Mio Operationen in der Sekunde, von wichtigen Geräten zur Ein- und Ausgabe grafischer Informationen, wie leistungsfähige Laserdrucker, automatisierten Zeichengeräte und Bildschirmarbeitsplätze;

  • Weiterentwicklung leistungsfähiger Personalcomputer für eine breite Anwendung in der Volkswirtschaft in Verbindung mit dem Aufbau lokaler Netze;

  • Entwicklung moderner Speichergeräte sowie weiterer Ausbau der Drucktechnik;

  • Fortsetzung der arbeitsteiligen Entwicklung wichtiger Komponenten der Basissoftware mit den Schwerpunkten Betriebssysteme, Datenbanksysteme, grafische Grundsoftware sowie Softwaretechnologien;

  • Ausbau der Zusammenarbeit zur Schaffung leistungsfähiger CAD/CAM- Anwendungslösungen(7) ;

  • Mitwirkung der DDR bei der Schaffung von Superrechnern. 1987 werden dazu die konkreten Arbeiten abgestimmt.(8)

 
Kommentare

Grundsätzlich fällt beim Lesen der "Vorlage" auf, mit welcher Oberflächlichkeit formuliert und wie Halbwahrheiten als  Fakten verkauft wurden ( was ist "abgestimmt", mit wem , Verbindlichkeit , usw.??) . Und es fällt auf, dass offenbar die Erfüllung von Beschlüssen und Konzepten der SED ebenfalls generell im internationalen Geschehen als "abgestimmt" dargestellt wurden, Herr Mittag hatte eben Alles im Griff! Und es gab offenbar keinerlei kompetente strategisch- wissenschaftliche Beratung der Parteispitze, wie sie zu Zeiten W. Ulbrichts üblich war, deren Wort Gewicht hatte!

- Kommentare zu wenigen Punkten:

  • (1) "... mehr als 15 jährige Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Mikroelektronik ? - Das zitierte "Regierungsabkommen zur Mikroelektronik" wurde 1975 als weiterer Baustein in der Zusammenarbeit der Mehrseitigen Regierungskommission Rechentechnik verabschiedet und spielte in der Tat (in der Anfangsphase) eine sehr fruchtbare Rolle bei der Vertiefung der Arbeitsteilung bei Ausrüstungen und Bauelementen. Der Teil Mikroelektronik der Anlage 1 zeigt insgesamt den großen Umfang der Arbeiten und der Leistungen der DDR- Industrie. Allerdings wurde das gewünschte Ziel, durch Spezialisierung und gegenseitige Lieferungen die hohen Lasten zu teilen, wegen verschiedener Ursachen ( keine ausreichende Fertigungskapazität, hoher NSW- Valutabedarf, Unsicherheiten bei Terminen und Qualität... ) nur sehr bedingt erreicht. Die Mehrzahl der nicht selbst hergestellten Ausrüstungen musste jedes Land gegen harte Valuta und unter Embargo- Bedingungen importieren. Unter Beachtung des wachsenden technologischen Rückstandes war ein ständiges Anwachsen derartiger Importe vor- programmiert.

  • (2) von "bedarfsdeckenden Lieferungen" bei Mikroelektronikausrüstungen kann wohl keine Rede sein, bestenfalls von einer Fertigung gemäß Planvorgaben. Was war mit der internationalen Zusammenarbeit? Es gab z.B. mehrmals hochrangige Gespräche mit UdSSR- Vertretern- z.B. auf Ministerebene MEE - die um mehr Ausrüstungs- Lieferungen ersuchten. Da das abgelehnt wurde, spürten wir danach, dass die UdSSR entsprechende Schlussfolgerungen zog und unseren Bauelementebedarf in nur sehr geringem Umfang erfüllte. Die UdSSR kaufte im NSW und  NSW- Importe bei Bauelementen durch die DDR waren die Folge. In der Vorlage nennt man das "bedarfsdeckend", eine Abwärtsspirale war programmiert.. .

  • (3) Das Mikroprozessorsystem K1810  der UdSSR war ein Analog zu I8086, allerdings mit einem metrischen Gehäuse und mit einigen Funktionsabweichungen. Wichtiger aber ist hier, dass es zwar eine technische Abstimmung in den Entwicklungsplänen mit der UdSSR gab, aber keine auch nur annähernd verbindliche Liefervereinbarungen, die den Plan- Bedarf der DDR- Industrie gedeckt hätten. Die UdSSR- Mikroelektronik brauchte ihre gesamte Produktion für die UdSSR- Industrie! Auch dazu kein Wort, eher Schönfärberei. Und da die strategische Bedarfsdeckung und Versorgung der DDR aus der UdSSR nicht gesichert war, wurde bei KME in Erfurt die MME80601- Familie (Linie U80286 /386) selbst entwickelt und (bzgl. 80601) bis 1990 produziert, u.a. für den Bedarf der ESER- PC der DDR..

  • (5) "Gemeinsame Entwicklung von 32-Bit- und weiteren perspektivischen Mikroprozessorsystemen für den Einsatz in der Rechen- und Automatisierungstechnik sowie weiteren Gebieten: Es gab mindestens zwei sog. 32- Bit Linien in der UdSSR", sowie eine verwirrende Vielzahl von anderen Entwicklungen.

    • Die Schaltkreise für die DEC-Linie Mikro- VAX II wurde vom Elektronik- Ministerium entwickelt und in "Elektronika" Rechnern eingesetzt. Diese waren aber nicht voll VAX-kompatibel, die UdSSR Elektronik- Industrie machte auch keine Lieferzusagen. Auch in Erfurt und Dresden erfolgten Entwicklungen für DDR- Rechner (s.u.) .

    • Die 32 Bit- Schaltkreise der INTEL- I386- Linie waren in den Plänen der DDR- Mikroelektronik als Nachfolger der 16 Bit Schaltkreise der MME 80601 Familie  geplant und in der Entwicklung angelaufen.  Auch die UdSSR begann auf Druck des ESER mit  diesen Entwicklungen. Allen Beteiligten war klar, dass für "den Einsatz in der Rechen- und Automatisierungstechnik sowie weiteren Gebieten" die INTEL- Linie U80086 und U80286 die absolut größten Stückzahlen benötigte.  Alle Industriezweige der DDR drängten uns z.B. um Bereitstellung von IBM- kompatiblen Mustern der ESER- PC EC 1834 (I8086) und später EC 1835 (I80286- Basis) und begannen mit Eigenentwicklungen von Steuerungen auf Basis U80X86/ MME 80601! Am Horizont der westlichen Anwendungs- Lösungen waren auch bereits deutlich günstigere CAD- Anwendungen mit Intel 80386 zu sehen. Heute sieht das Jeder, damals blieben die ESER- PC-  Spezialisten ungehört, als sie eine Konzentration darauf für die DDR- Strategie vorschlugen.

    • Abstimmungen mit der  UdSSR zur Kooperation beim 32- Mikrorechnersystem der DDR ( Basis DEC- Systeme VAX/ mikro VAX II)  wurden zwar versucht, verliefen aber im Sande. Hauptgrund war offenbar, dass die UdSSR nicht gewillt war, ihr (geringes)  Aufkommen  zu exportieren. Was daher entwickelt wurde ist die MME 80700 - Familie , und zwar im Kombinat Mikroelektronik / FWE (Erfurt)

    Zu alledem kein Wort, eher eine Irreführung - gemeinsame " Entwicklung von 32-Bit- und weiteren perspektivischen Mikroprozessorsystemen" - das war bestenfalls der Bericht darüber, dass die "Beschlüsse der Partei" erfüllt werden, aber gleichzeitig liefen große Embargo- Importe bei diesen Schaltkreisen, die Mittag genehmigte!

  • (6).Im "Mittelpunkt der Zusammenarbeit steht gegenwärtig die Einführung neuer Erzeugnisse für die massenhafte arbeitsplatznahe Anwendung der Rechentechnik, insbesondere für CAD/CAM-Lösungen"- ?Mittag berichtet hier offensichtlich vom A7100, man sollte aber etwas mehr dazu sagen:   

    • Im SKR wurden (der Arbeitsplatz -PC- wie A7100/7150 hatte eine SKR- Chiffre) vorrangig  CAD/CAM- Anwendungen der Firma DEC verfolgt, diese waren aber für Massenanwendung wirtschaftlich wenig geeignet, daher forderte die DDR- Wirtschaft (!) den ESER- PC und die U80286/80386 - Linie! Die Ergebnisse der Spezialisierungsgespräche in der MRK zum SKR waren für die DDR ohnehin kläglich, man konnte nicht mit nennenswerten Exporten in die UdSSR auf Basis einer Spezialisierung rechnen. SKR war nicht ESER und  einen Massenbedarf würde die UdSSR auch niemals ( weg) spezialisieren

    • Die Entwicklung von ESER- PC  verfolgte eine massenhafte arbeitsplatznahe Anwendung mit deutlich geringerem Fertigungs- und Materialaufwand als vorangegangene 8-Bit PC und IBM Systemkompatibilität. Es gab viele Verwaltungs- und Organisationsarbeiten, für die sie gebraucht wurden. Hier entwickelten sich aber auch echte CAD/CAM- Anwendungen, allerdings nicht als Einsatz- Schwerpunkt. Für CAD/CAM  fehlten auch hochauflösende Farbmonitore, Plotter, grafische Tabletts, LAN- Baugruppen  usw. Allerdings kann man bei diesen Geräten innerhalb der MRK nicht von abgestimmter Zusammenarbeit sprechen; jedes Land entwickelte und produzierte seine Rechner selber, jeder importierte für Devisen fleißig all das, was nicht im Lande produziert werden konnte ... . Die ausführliche Geschichte des ESER PC ist im Artikel zu EC 1834/35  nachzulesen, darunter auch die Fertigungsplanung. Der erste Entwicklungsabschluss K8/o  war August 1988, 1988 wurden noch ca. 10.000 Stück gefertigt. Insgesamt produzierten die Betriebe BWK und BWS bis 1990 ca. 34.000 Stck. PC 1834/1834M. Von diesem PC war aber bei Mittag nicht die Rede ("Lieferbeginn 1987"). Weiterentwicklungen dieser Geräte wurden von den 1990/1991 privatisierten Nachfolge- Betrieben noch bis ca. 1993 vor allem in die UdSSR geliefert. In Sömmerda entstand dann nachfolgend 1993 ein Betrieb von Fujitsu- Siemens, damals  Europas größter Fertigungsbetrieb für PC. 

    • ESER- Großrechner  betreffend ist bekannt, dass diese Mainframe-Architektur für die oberen "Etagen" der Anwendungspyramide geeignet ist (Datenbanken, große Statistikaufgaben , Buchhaltung  und Firmenplanung mit hoher Rechenleistungen), weniger für arbeitsplatzorientierte CAD/CAM- Anwendungen. Auch auf Betriebsebene und höher existieren viele Rationalisierungsaufgaben für ESER- Mainframes.

    Die Orientierung auf  "CAD/CAM-Lösungen", die dem Politbüro 1988 von Mittag noch einmal untergeschoben wurde, war offensichtlich eine nachträgliche Rechtfertigung einer von ihm früher getroffenen eklatanten Fehlorientierung ! Und 1988 waren auch Pioniere der CAD/CAM - Anwendung, wie etwa Japan, von einer einseitigen Überbewertung deren Effekte abgekommen. 

    Man konnte wohl nicht noch ein Jahr auf einen ESER/Intel- PC warten und die DDR-Wirtschaft auf eine sinnvolle Linie konzentrieren?? 

  • (7) "Aufnahme der Produktion eines mit der UdSSR abgestimmten 16-Bit-Arbeitsplatzcomputers für die Anwendung zur Rationalisierung bei der Vorbereitung der Produktion als rechnergestützter Arbeitsplatz" ; Lieferungen ab 1987

    • Es war offenbar der in Dresden gefertigte 16- Bit Rechner A7100  oder auch der A7150 gemeint, denn 1987 war der ESER- PC noch nicht in größeren Stückzahlen verfügbar. In Dresden wurden alle wichtigen Bauelemente mit Valuta importiert.  ( Der ESER- PC war weit weniger importabhängig , aber vor allem IBM- systemkompatibel !)

    • "Abgestimmt" war auch der A7100 nur insofern, als er eine DDR- Entwicklungs- Chiffre (SKR- Chiffre)  hatte, jedoch keinerlei Spezialisierungsvereinbarung; es gab damals im SKR verschiedenste IBM- PC- Nachbauten , allerdings keinen mit Siemens - Basiskonstruktion. Diese war sehr fertigungsaufwendig und nicht kompatibel mit einer am Markt befindlichen großen Zahl Einbaukarten (Slots) und fand bei UdSSR- (und wichtigen DDR-) Kunden keine Zuneigung!

    Es wäre zu recherchieren, wie viele A71xx tatsächlich in die UdSSR geliefert wurden. Ein Großteil des DDR- Aufkommens wurde in der DDR verteilt ( wofür ein Anteil der 10 Mrd. M /DDR - siehe Bericht Schürer- genutzt wurden.

  • (8) "Mitwirkung der DDR bei der Schaffung von Superrechnern. 1987 werden dazu die konkreten Arbeiten abgestimmt" ?   Da  war wohl der Wunsch überwältigend, eine Spitzenleistung anzukündigen! Die technologische Bauelemente- Basis dafür war in der DDR nicht annähernd verfügbar, Stückzahlen waren marginal und die UdSSR- Seite wollte uns nur bei wenigen Peripherie- Einheiten dabei haben. Der DDR- CK im ESER hatte daher eine klare Entscheidung getroffen, keinen Unsinn zu machen!

Die Orientierung auf  "Superrechner", die dem Politbüro 1988 von Mittag untergeschoben wurde, war u. E. ein Versuch , seine (?)  latente Fehlentscheidung gegen die ertragreiche ESER- Mainframe- Linie mit etwas noch Gewaltigerem zu kaschieren ! G. Schürer hatte schon recht, dass man immer zunächst die gesamtvolkswirtschaftlichen Umstände einer Entscheidung bewerten muss!

Zusammenfassend glaube ich, dass es berechtigt ist, Herrn Mittag als einen Intriganten und Hauptverantwortlichen am wirtschaftlichen Niedergang der DDR  zu betrachten, dessen Trachten auf seine persönliche Macht, letztlich gegen die Wohlfahrt der DDR- Bevölkerung gerichtet war.

Während Schürer die gesamtvolkswirtschaftliche Effektivität einer Strategie, besonders die Exportrentabilität zu einem Schwerpunk seiner Bewertung machte, umgeht Mittag diesen Punkt- aus gutem Grund!

Und bei der Art der ideologischen Führung eines Staates durch eine Riege alter Herren versagt dann jeder demokratische Ansatz! 

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