Etappe ab 1985 in der UdSSR
Hauptgebäude NIZEWT
Beiträge zur DDR- Geschichte des EinheitsSystem der Elektronischen Rechentechnik (1968-1990)
Rechentechnik der DDR im ESER Der internationale Vertragsrahmen Arbeitsumfeld des ESER in der UdSSR Arbeitsumfeld des ESER in der DDR
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ESER- in der Zeit ab 1985

Zum Thema dieser Seite .. nach 1985 empfehlen sich der Artikel V. V. Prischijalkowskij > UEBERBLICK ESER_de und speziell die Abschnitte 3 und 4 des Artikels zur Gesamtgeschichte des NIZEWT bis 2003 (NIZEWT 2003_de )

Es ist auch nach einer Zeit von 17 Jahren eher nicht möglich, die Zeit ab ca. 1985/86 in der UdSSR mit der gebotenen Komplexität und Kompetenz und den fehlenden Informationen über viele Internas rund um das MinRadioProm und die Politik Gorbatschows zur weitreichenden Konversion der Militärindustrie kurz zu kommentieren. Da aber sehr direkte Parallelitäten heute öffentlich sind, die auch unsere Arbeit in der DDR direkt betrafen und einen gewissen allgemeinen historische Wert haben, hier wenige Gedanken und Zitate:

  • die konstruktiv- technologische Basis für ESER- Mainframes stellt höchste Ansprüche an eine Volkswirtschaft, ihre Verfügbarkeit in Spitzenqualität entsprach im Verlaufe der gesamten ESER- Geschichte in der UdSSR nicht den hohen Anforderungen. Aber in den Jahren 1985/86 kulminierten die Widersprüche, ausgelöst oder besonders herausgestellt durch eine neue Strukturpolitik unter Gorbatschow extrem. Daher kommt V.V. Prschijalkowskij zu der Feststellung sicher auch " .. 1984 wurden die großen IBM – Rechner mit Master- slice –SK gefertigt , wie auch die Rechner der Firmen Amdahl, Fujitsu, Hitachi.  Die Architektur der IBM /370 erhielt eine wichtige Erweiterung bzgl. der 24 bit Adresse und bzgl. des Stoßbetriebes der Kanäle. Zum Zeitpunkt  des Entwicklungsabschlusses des ESER- Reihe 3 waren LSI MS-SK in der UdSSR aber nicht verfügbar. Eine derartige Architektur mit MSI- SK  zu bauen war völlig gegenstandslos vom Standpunkt der Größe, Zuverlässigkeit, und Leistungsaufnahme. Daher war für die zweite Etappe der Reihe 3 des ESER-  EC 1037, 1047, 1067 keine Bauelemente- Basis vorhanden und dieser Teil des Programms  blieb praktisch unrealisiert."
  • Die DDR hatte sich entsprechend den RCK- Beschlüssen mit einer EC 1057 erfolgreich der neuen Architektur genähert, soweit die Bauelemente das ermöglichten ... . 176 Maschinen EC 1057 wurden produziert.
  • Als Vorläufer zur Realisierung der ESER-„Reihe 4“- Prinzipien nach /XA - Architektur wurde die Entwicklung der EC 1087.20 betrieben , erstmals mit Master- Slice- Gate- Aray- SK . Nähere Einzelheiten dazu können der Beschreibung/ Datenblatt der EC 1087( EC 1087.20 .de ) entnommen werden. Der russische Text steht hier zur Verfügung( EC 1087.20_ru) .
  • Die Konzeption zur Schaffung des ESER-„Reihe 4“ wurde auf der 27. Tagung der MRK RT im Mai 1987 befürwortet und betraf ein Programms zur Schaffung technischer und programmtechnischer Mittel des ESER-4 („ Reihe -4“), welche vorgesehen sind für „die Lösung eines breiten Spektrums von Aufgaben in Rechnernetzen und  Zentren kollektiver Nutzung, verschiedenen Automatisierungssystemen und Automatisierten Projektierungssystemen, mit technisch-ökonomischen Parametern auf den Niveau des Weltstandes und mit einem um  2-3 mal verbesserten Leistungs-/ Kostenverhältnis gegenüber den Maschinen der „Reihe 3“, mit erhöhter Zuverlässigkeit auf Basis von LSI und VLSI – SK , mit breiter Nomenklatur von Peripheriegeräten , darunter auch zur Nutzung von Systemen mit Bildverarbeitung und grafischen Daten , geräte- und programmtechnischen Mitteln zur Steuerung von Daten- und Wissensbanken und mit verbesserter Programmausstattung“. Die leitenden DDR- Spezialisten verstanden damals diese übertriebenen Worthülsen als das , was sie waren: eine Botschaft an die herrschenden Politiker, die genau das hören wollten...
  • Das (UdSSR) Programm ESER-4 sah die Entwicklung von 3 Basis-Maschinen ЕС–1130, EC1170 und  EC 1181 mit einer Leistung von entsprechend 2, 5–8 und  30 MIPS vor. Außerdem wurde entsprechend Forderung von Anwendern bei der Formierung des Programmes noch die Schaffung eines Terminal- Rechners EC 1107 mit integrierten Mitteln der Netzverarbeitung und eine Super- EDVA 1191 mit 1 Mrd. MIPS (!) aufgenommen.
  • Die DDR plante die Entwicklung der EC 1150 in zwei Etappen: 5Mips und 15-20 MIPS, sowie mehrerer PC und eine umfangreiche Terminal- und Peripherienomenklatur,
  • Die einzige fertig gestellte EDVA, die zur Reihe 4 zu zählen ist, war  die EDVA EC 1130. Sie wurde auf Basis von 11  Typen des Mikroprozessorsatzes K1800 entworfen, der in der Vereinigung „Venta“ in Vilnjus produziert wurde. Das waren Schaltkreise mittleren Integrationsgrades, aber unter den entstandenen Bedingungen waren sie für die EDVA EC 1130 vertretbar. Die Entwicklung wurde 1989 abgeschlossen. Bei 5- facher Steigerung der Leistung gegenüber EC 1036 brauchte sie nur das halbe Volumen, 2-mal geringere Fläche und 5-mal weniger Energie.  Wieder einmal war klar demonstriert, welche entscheidende Rolle die Mikroelektronik- Basis für die technisch- ökonomischen Parameter besitzt. Unter komplizierten wirtschaftlichen Bedingungen  wurden 230 Maschinen dieses Typs verkauft. Mit dem Zerfall der UdSSR begannen Lieferprobleme der Schaltkreise aus Litauen und Absatzprobleme in Russland. 1995 wurde die Fertigung der EC 1130 eingestellt.
  • Die Möglichkeit, die MS-SK (Matrix- Schaltkreise) I 300 B  ( ca. 1200 Gatter pro Kristall ) zu geliefert zu erhalten, ergab sich für das NIZEWT erst im Jahre 1993-1994. Bei schwierigster Finanzlage  und nach Weggang vieler tragender Spezialisten war es nicht mehr möglich, in der EC 1181 die erweiterte Architektur IBM370 /XA vollständig zu realisieren. Trotzdem konnten die Entwicklungsarbeiten an der  ЕС-1181 und  ЕС-1195 abgeschlossen werden. Die  ЕС-1181 (Chefkonstrukteur Chramzow, I.S. ) - das letzte ESER- Modell  ЕС ЭВМ für universellen Einsatz, wurde gemeinsam mit  der Minsker Produktionsvereinigung für Rechentechnik (МПО ВТ ) bearbeitet. Bild oben : EC 1181 . Dank der Matrix- LSI- SK I -300 , die letztendlich doch durch das Selenograder Werk "Mikron" geliefert wurden, hatte sie ausgezeichnete technische Daten. Allerdings hatte sie wegen der allgemeinen Wirtschaftskrise keinen kommerziellen Erfolg.( siehe dazu auch den ausführlichen Artikel zur Geschichte des NIZEWT ( NIZEWT 2003_de ). Das Bild oben zeigt die EC 1181- eine Maschine "fast" "Reihe 4- Architektur" in ECL- Master- Slice-Technologie

1993/94 galten in der Russischen Föderation die gleichen Mechanismen eines weltweit offenen Marktes mit reiner Konvertierbarkeit des Rubel in $ für den Kauf auf dem Weltmarkt, wie in Ost-Deutschland nach 1990. ..ein Teil- Team des NIZEWT produzierte noch einige "graue" IBM- Systeme "IBM ES 9000" auf Basis von Baugruppen-Importen, aber das Hauptgewicht der Arbeiten ging hin zu "Professional Services" für Mainframe- Anwender, zu Arbeiten, die nur beste Spezialisten vor Ort ausführen können..., darunter bei Anwendern, deren strategische Position nur die Mitarbeit durch besonders zertifiziertes Personal erlaubt.

  Übrigens :