Grundsätze der Basiskonstruktion
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Beiträge zur DDR- Geschichte des EinheitsSystem der Elektronischen Rechentechnik (1968-1990)
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Grundsaetze zur Bedeutung der ESER- Basiskonstruktion

Der ST RGW 1628—79 bzw. der staatliche UdSSR- Standard GOST 25122-82 galt für Ausführung der sog. „Basiskonstruktionen der technischer Mittel des ESER (TM ESER)“. Diese waren nach einem modularem Prinzip aufzubauen. Der Standard bestimmte die allgemeinen Forderungen, Hauptparameter, die Konstruktionsebenen der Moduln, welche für den Einbau und Anordnung der  Elektronik der TM ESER einzusetzen waren. GOST  25122-82 bestimmte die Konstruktionsebenen Bauelement, Leiterplatte, Paneel, Rahmen und Schrank .

Bild

ESER- Schrank

1- Standgefäß (Schrank) ; 2- Rahmen, 3 – Paneel ( Block-Gehäuse), 4- TES (Kassette) 5- BE Gehäuse( IS, LSI- Gehäuse , Bauelement ),  6- Blöcke verschiedener Zweckbestimmung, 7- Beistellschrank, 8- Pult . Rechts: EC 1057 - Hauptspeicher, Logik und Stromversorgung in mehreren  Rahmen

 

Zusammen mit den sog. „Allgemeinen technischen Forderungen an die technischen Mittel des ESER“ , welche die Einsatzklassen , Prüf- , Transport,- und Lagerbedingungen, sowie einige zusätzliche Forderungen für Importe von Technik in die UdSSR , definierte der GOST  25122-82  „Basiskonstruktion des ESER“ die Vorgaben, deren Einhaltung die notwendige Bedingungen für einen erfolgreichen Export in die UdSSR waren. In der allgemeinen Sprachweise der Entwickler wurde daher das Paket aus GOST  25122-82 und den Forderungen an Einsatzklassen, Prüf- , Transport,- und Lagerbedingungen als Forderungen an die Basiskonstruktion bezeichnet, wo sich ja die meisten der technischen Forderungen auch auswirkten!

In der aktuellen Fassung 1982 verabschiedet, waren Vorgänger der o.g. beiden Grundsatzdokumente von Beginn der Arbeiten im ESER relevant und enthielten unumstößliche Forderungen, die seitens des UdSSR- Verteidigungsministeriums eingebracht worden waren. Sie definierten deutliche Hürden und Herausforderung an jeden Konstrukteur und Technologen!

Solche Forderungen, wie

1.2. Die Außenmaße von nicht demontierbaren Konstruktionen müssen die Möglichkeit bieten, sie durch Türöffnungen im Maße 1,8m X 1,1m sowie mit 90Grad Drehung aus Korridoren mit 1,1 m Breite in Türöffnungen, Treppenhäuser und Aufzüge bis 1,1 m Breite zu befördern. 

1.3. Die Masse von nicht  demontierbaren Konstruktionen darf 600 Kg nicht überschreiten.

machen z.B. deutlich, dass die TM ESER einer dualen Zweckbestimmung dienen sollten.

Der strikte Aufbau der Elektronik- Leiterplatten ( sog. Austausch- Typelemente- TES) sollte insbesondere die Typvielfalt der Servicetechnik in der UdSSR auf einem zahlenmäßig überschaubaren Niveau halten und war ursprünglich zwecks Möglichkeit einer wenig aufwendigen Lizenzfertigung an einem second source- Standort vorgesehen. In der Praxis der DDR trat dieser Fall nicht ein, zwischen der UdSSR (Werk Minsk) und der VRB  erfolgten z.B. derartige Lizenz-Kooperationen.

Die Einsatzklassen, Prüf- , Transport,- und Lagerbedingungen für die TM ESER entsprachen den extremen Bedingungen, welche Klima, Größe der UdSSR  und Situation deren Transportwege , Mangel an Spezialfahrzeugen oder gut klimatisierten Lagerräumen usw. und einer gewissen Umsetzung der Verteidigungsdoktrin der UdSSR entsprachen. Daher mussten die massiven  Geräte des ESER entsprechend aufwendig konstruiert werden, Bauelemente mussten hohen mechanischen und klimatischen Bedingen genügen und im Entwicklungsablauf mussten die Baugruppen und Geräte sehr anspruchsvolle Härtetests bestehen.

Als  Beispiele:

  • Die Geräte des ESER mussten bei Simulationen der Transportklasse einen Stoß von 15 g bei einer Dauer von 10ms unbeschädigt überstehen;

  • Die Geräte (Einsatzklasse 2) mussten unter Betriebsbedingungen bei einer Umgebungstemperatur von minus 10 C bis +35 C funktionsfähig bleiben ;

  • Die Lagerbedingungen für verpackte Geräte in unbeheizten Räumen forderten eine längere Lagerbeständigkeit bis -50 C.

  • Die Klimabeständigkeit incl. Feuchtetest und Frostschock und Hochspannungsprüfung (im Labor) war nachzuweisen 

Das führte dazu, dass für den normgerechten Bau  der ESER-Technik auch umfangreiche Anforderungen in der Zulieferindustrie zu erfüllen waren und dass der reine Fertigungs- Aufwand für den mechanischen Aufbau der Geräte und der Materialeinsatz ca. 30 % über einer „normalen Büroausführung“ lagen. Selbst der Generalkonstrukteur sah (in der Rückbetrachtung) diesen am halbmilitärisdchen Einsatz orientierten Aufwand  als wenig sinnvolles Diktat des Militärs.

 

Bei Bauelementen und Leiterplatten waren insbesondere einmal zu investierende Grundsatztechnologien und der geprüfte Materialeinsatz entscheidend für die Erfüllung der Forderungen, was jedoch auch einen äußerst positiven Einfluß auf die Qualität der Erzeugnisse hatte.

Die DDR- Industrie hatte sich in der Startphase der ESER- Mainframe- Entwicklungen, auch wegen der Lehren aus der R21- Bauelemente- Krise, sorgfältig auf die o.g. hohen Forderungen eingestellt. Neben entwicklungs-technisch exzellenten Leistungen bei der Bestimmung der Grenzen der Laufzeitketten und Verdrahtungsgeometrie der schnellen Logik, der komplexen Ausstattung mit Simulationen bei der automatisierten Konstruktion und mit mehrstufigen Prüfprozessen in der Fertigung bestimmte die DDR- Mainframe- Industrie das führende Qualitätsniveau des ESER und sicherte insbesondere in der UdSSR eine extrem hohe Nachfrage bei der Import- Planung durch GOSPLAN der UdSSR.

Letztlich ist auch die Vergabe des Entwicklungs- und Produktionsauftrages zum Vermittlungssteuerrechner „NEWA“ durch die UdSSR (Forderung :"zulässige summare Systemausfallzeit 2 h innerhalb 20 Betriebs-Jahren" ) und die Lieferung  von 61 derartigen Komplexen in die UdSSR ein Ausdruck dafür, dass die DDR-Mainframetechnologie innerhalb des RGW eine Spitzenstellung einnahm. Die Liste der ca. 1500 ESER- Mainframes der DDR, die in der UdSSR zum Einsatz kamen, enthält daher zu einem hohen Anteil renomierte Firmen und wissenschaftliche Einrichtungen, sowie viele staatliche Einrichtungen.  

 

Die ernsthaften Arbeiten an der Erfüllung der Standards zur Basiskonstruktion halfen also letztlich, erstklassische Produkte zu entwickeln und zu produzieren.

  Für eine detailiertere Information zum Standard GOST  25122-82/ ST RGW 1628—7 sei hier auf den Link  Standard GOST  25122-82 verwiesen.

© Dr.Jungnickel