|
Die DDR in allen ihren Facetten- vom
Gesellschaftssystem des "real existierenden" Sozialismus bis hin zu
allen Strukturen in Industrie und Wissenschaft,
Gesundheitswesen, Bildung usw. wurde im Zuge der Angliederung an die BRD im
Zeitraum 1990 von den Siegern der Geschichte gezielt als ein Gebilde
dargestellt, welches so schnell wie möglich als politisches System mit
seinem "Volkseigentum" und seinen rechtlichen und staatlichen Strukturen
komplett "abgewickelt" werden
sollte. Die Wirtschaft des Landes wurde mittels Turbo- Gesetzen
privatisiert und große Teile des Privatbesitzes an Grund und Boden an
ehemalige Besitzer rück- übertragen.
Die UdSSR- Führung unter Gorbatschow
[
der den von ihm eingeleiteten Prozess der "Perestroika" im
fortschreitendem Stadium vor allem innenpolitisch nicht
mehr beherrschte ] und die USA unterstützten
und förderten den deutschen Einigungsprozess. Eine Alternative zum politischen
und wirtschaftlichen System
der BRD war in
Deutschland 1990 unreal, dafür hatten Misswirtschaft und
politische Ignoranz der DDR- Führung keine Grundlage gelassen.
Auch eine wirtschaftliche und gesellschaftspolitische
Übergangsphase, in der sich vor allem die kompetenten progressiven Kräfte in Ostdeutschland gestaltend bzw. mitbestimmend einbringen konnten
oder die Handelsbeziehungen der DDR- Wirtschaft im Ostexport gleitend
valutaseitig umgestellt werden konnten, wurde mit
dem enormen politischen Druck auf das Tempo der DDR- Angliederung und
mit dem lückenhaften und übereilt akzeptierten Einigungsvertrag
ausgeschlossen.
Um diesen Prozess der
"Abwicklung" aus Sicht der BRD-Wirtschaft, der BRD-Politik und
von deren "Treuhändern" effektiv und
schnell voranzubringen, war es dafür offenbar sehr zweckmäßig,
zunächst einmal
-
komplett alle Werte der ehemaligen DDR zu diskriminieren,
-
alle DDR-Strukturen und Organisationsformen, wie Betriebe und Kombinate, Gesundheitswesen,
Bildungswesen, Landwirtschaft in breiter Front
als ineffektiv darzustellen
und daher nicht geeignet für
eine weiterführende Umgestaltung;
-
deren Bürger in der Breite als inkompetent und unfähig darzustellen,
um in der
neuen Ordnung vergleichbare Leistungen zu erbringen.
In der öffentlichen Propaganda wurde
auch tunlichst ausgeblendet, dass letztlich viele politische
Entscheidungen und Lebensumstände der Menschen durch aktive Maßnahmen
der USA und der BRD zur "Zurückdrängung und Schwächung des Sozialismus" impliziert wurden bzw.
dass diese oft unmittelbare Gegenreaktionen in der unsinnigen Spirale des
Wettrüstens und der Systemkonfrontation in einer Hysterie des Wettrüstens und Konfrontation waren.
Als Zielscheibe allen angestauten
Unmuts der DDR- Bürger über viele unattraktive Umstände und Missstände ihres Lebens in der DDR
(Schwerpunkt - die Honecker- Ära nach 1985) wurden die politischen Träger der DDR, vorrangig die SED-
Führung und gezielt die Mitarbeiter des MfS der DDR als Kriminelle und ethisch- moralische Verbrecher im Einigungsvertrag und durch Rechtsakte
vorsorglich kriminalisiert.
Erleichternd für eine gewisse Wirksamkeit dieser Strategie war auch die
Tatsache, dass sich in Wirtschaft und Politik der BRD 1990 durchaus noch
wesentliche Elemente der erfolgreichen "sozialen Marktwirtschaft der
BRD" erhalten hatten und die Auswüchse des Neoliberalismus bzw.
Raubtierkapitalismus in allen seinen Formen noch nicht angekommen waren,
sodass sich das Meinungsbild zur BRD unter vielen Ostdeutschen damals
positiver darstellte und sich wesentlich von dem 20 Jahre später
unterschied.
Die staatlichen und sozialen Strukturen der BRD wurden
nach 1990 in die neuen Ländern übertragen. Aber die Erwartungen der Bürger
Ostdeutschlands nach Gleichberechtigung und persönlicher Entwicklung, nach deutlicher
Annäherung der Lebensumstände und persönlichen Perspektiven an die der
alten BRD, ein geglaubtes Grundrecht aus dem Grundgesetz, wurden nur partiell
Wirklichkeit. Widersprüche blieben oder vertieften sich sogar. Trotz enormer
"Ausgleichsfinanzierungen" der Haushalte der "neuen" Länder und trotz
enormer Investitionen wurde der Ost- West- Gradient in den
Lebensumständen, Perspektiven und Hoffnungen, im Stimmungsbarometer und
damit letztlich im Wahlverhalten nicht kleiner. Noch heute ( oder heute
wieder? ) bewerten laut
Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI)
(siehe "Der Spiegel", 23/2009, S.75) ca. 75% der
Ostdeutschen die soziale Marktwirtschaft kritisch oder lehnen diese ab.
Die Auswirkungen der "Globalisierung", die Verbreitung der Auswüchse des
US- dominierten Neo-Liberalismus in Europa und auch deren Nutzung durch
die Führungsriegen der letzten BRD- Regierungskoalitionen, Gewinnsucht
und moralisches Fehlhalten des Managements deutscher Unternehmen, die
deutsche Großmannssucht, das Anwachsen der Schere in der materiellen
Lage der Menschen, "Agenda 2010", Hartz IV usw. haben wesentlich dazu
beigetragen !
Da muss man doch seitens der
politischen Führungsriegen des Staates etwas dagegen
tun, im Wahljahr 2009 besonders! Für die politische
Elite sind daher die Themen "Unrechtsstaat DDR" und "Lebensleistung der
in der DDR aufgewachsenen Bürger " scheinbar gut geeignet,
ideologisch zu punkten und die Menschen mit Halbwahrheiten und
einseitigen Betrachtungen gezielt zu manipulieren. Allerdings - trotz
großer Anstrengungen, die Menschen zu verdummen- sehr wahrscheinlich
wird damit das Gegenteil erreicht.
Einige Gedanken und Argumente zum Thema
"Unrechtsstaat DDR - ?"
:
Um die nächsten 10 Jahre zu
gestalten braucht niemand dieses Thema! Das Thema ist total ungeeignet, kreative Impulse für die Lösung der anstehenden
Probleme der wirtschaftlichen Lage, der längerfristigen Sicherung des
Industrie - Standortes BRD und der allgemeinen gesellschaftlichen
Situation (Bildung, Gesundheit, Altersarmut , ..) zu generieren. Es
führt nur zur weiteren Diffamierung Andersdenkender und heizt diese
an. Die Agenda 2010 verschärft das Ganze und öffnet die Schere
zwischen arm und reich besonders in Ostdeutschland.
In einer juristisch orientierten
Diskussion gilt immer das staatliche Recht zur betrachteten Zeit im
betrachteten Staat. Niemand kommt
heute z.B. auf die Idee, das bis 1990 bestehende Rechts-
und Staatssystem der Volksrepublik Polen oder gar von Litauen mit dem der heutigen BRD zu
vergleichen. Auch die DDR war ein eigenständiger Staat. Der
Einigungsprozess ging bekanntlich davon aus, dass bis zum
Einigungsdatum das Recht der DDR gültig war. Das alte BRD- Recht
sollte auch in Diskussionen rückwirkend keine Rechtskraft erhalten.
Es ist höchst erstaunlich, dass
bei öffentlichen Diskussionen zum Thema "Unrechtsstaat DDR -
?" auch heute noch die eklatante Anhängigkeit des Staatswesens der
DDR von den Grundsätzen der Sicherheitspolitik der Staaten des
Warschauer Vertrages "ausgeblendet" wird! Die Stationierung einer
großen sowjetischen Armeegruppe in der DDR und der Einfluss
tausender UdSSR- Berater und Instrukteure hatten klare Auswirkungen.
Würde man heute diese Blockbindung in die Diskussion einbeziehen,
wäre es wohl unumgänglich, auch die Politik der USA und deren
zweifelhafte Rolle als "Weltmacht", als Missionar des westlichen
Demokratie und die Beziehungen der BRD dazu zu diskutieren. Und wie ordnet man Dutzende
Diktaturen in Afrika, Lateinamerika und Asien wohl ein- als
Vorposten westlicher Demokratie ?
Zweifelsfrei ist: Ethisch- moralisch waren viele Praktiken in der DDR, wie die "Sicherheitsarbeit" der DDR- Staatsorgane,
die Angst der Oberen, dass sich die Menschen selbst umfassend
über die Welt und in der Welt informieren, Dogmatismus und wirtschaftliche Ignoranz u.a. für
einen sozialistischen Staat nicht akzeptabel und extrem schädlich. Zu
DDR- Zeiten wurden diese Dinge von vielen Menschen oft
kritisiert, der Versuch einer Änderung kam erst, als es zu spät war!
Als unbestrittener Fakt gilt,
dass ein übergroßer Anteil derer, die sich während der DDR - Zeit
für diesen Staat engagierten, dank ihrer Urteilskraft und Kompetenz
schon gegen Ende der DDR und vielmehr Jahre danach selbst in der Lage
ist, Recht und Unrecht, Gutes, Mangelhaftes und
Unerträgliches mit Sachlichkeit und Augenmaß zu differenzieren. Es
braucht dazu keiner Belehrungen oder Anschuldigungen von Leuten, die von
Alledem keine Ahnung haben, nicht dabei gewesen waren oder heute bei
ihrem politischem Kariere- Trip mit staatstragend gefiltertem
Gedächtnis unterwegs sind. Ob das missionarische
Sendungsbewusstsein der demokratischen Staaten der nordatlantisch-
westlichen Form, die Expansions-Politik der NATO
oder Oberlehrer- artige Belehrungen einer BRD- Kanzlerin heute geeignet sind,
Weltprobleme zu regeln und ob sie für die Mehrzahl der in der Welt lebenden
Menschen ein Kriterium über Recht oder Unrecht sind, ist
fragwürdig und wird mit der Veränderung der Weltwirtschaft immer
fragwürdiger. Für ältere Ostdeutsche bedarf es jedenfalls
keiner offenbar gelenkten Medienkampagnen unter Moderation von Will,
Illner, Kleber , Buhro usw., die Menschen haben ihren Verstand noch
nicht verloren.
Während der
Unrechtsstaat-
Diskussionen werden heute viele Erinnerungen an die alten
Praktiken der Diskriminierung und Abwicklung der DDR wieder wach!
Sie polarisiert die Menschen weiter. Man könnte das Alles als älterer,
nunmehr ca.20 Jahre geschulter BRD-Neubürger verdrängen, wenn nicht
mit der initiierten "Wertschätzung" des Staates DDR
pauschal und ohne Differenzierung auch
alle Inhalte der Tätigkeit der
Menschen in diesem Staate diskriminiert und verurteilt würden! Auch
die "Lebensleistung der in der
DDR aufgewachsenen Bürger" und viele erhaltenswürdige
Strukturen und Praktiken erhalten damit auch heute immer noch a priori eine Auffrischung dieses Negativ-Stempels!
Für die jüngere Generation
der heute 18- 40 jährigen, die bewusst erst zu BRD- Zeiten aufwuchs,
sind alle Facetten des praktizierten Neoliberalismus mit seiner
zunehmenden Marktradikalisierung, der schleichenden Demontage
des Sozialstaates, der Privatisierung aller Bereiche des Lebens bis
hin zum Gesundheitswesen und Bildung und die wachsende soziale Kluft
zwischen der Masse der einfachen Menschen und der Kaste der Reichen
und Eliten für das heutige Staatssystem Wertung genug. Auch
diese Menschen haben genug Verstand und Würde, um genau zu
differenzieren.
|