Rückblick 2009 zur Rechentechnik der DDR im ESER
Beiträge zur DDR-Geschichte des EinheitsSystem der Elektronischen Rechentechnik (1968-1990)
 
Rechentechnik der DDR im ESER Der internationale Vertragsrahmen  Arbeitsumfeld des ESER in der UdSSR  Arbeitsumfeld des ESER in der DDR 
DDR-Produkte und Robotron-Teams Chancen nach 1990 Artikelsammlung und sitemap Beiträge aus 2009-2013
 
 

Rückblick 2009 zur Rechentechnik der DDR im ESER

Kooperation mit UdSSR- Spezialisten aus aktueller Sicht

ESER- Technik aktuell
im ICM

Neue Etappe der Hochtechnologie in der RF "Skolkowo"

Aktuelles zur WEB- Site

 

40 Jahre nach Gründung der MRK RT- eine Rückblick  aus Sicht des Jahres 2009

 

Anliegen dieses Artikels ist es, rückblickend aus Sicht des Jahres 2009

  • anlässlich des "40 Jahrestages" des Abschlusses des MRK- Abkommens (23.12.1969)  Gedanken zu einer - hypothetischen- Extrapolation zu den Chancen der Rechentechnik in den Ländern des Ostblockes/ ESER nach 1990 - dem Zeitpunkt des Zusammenbruchs des Bündnisses-  zu geben ( vorrangig für die DDR und Russland)

  • Aspekte zur historischen Bewertungen der Lebensleistung der Menschen in der DDR- Rechentechnik und dem "inneren Zusammenhang" dieser Leistungen zum Staat DDR zu formulieren.

40 Jahre nach Unterzeichnung des MRK- Abkommens Rechentechnik :

 

An dieses Datum, den 23.12 1969, erinnert bezüglich der Epoche vor 1990 das Gesamt- Material dieser Seiten.

ESER war unter seinen historischen Rahmenbedingungen nicht nur ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, sondern auch ein Beispiel der Schöpferkraft und des Leistungspotentials der Mitarbeiter der beteiligten Betriebe und Institute, ein durchaus positives Beispiel der Möglichkeiten, in einer solchen Wirtschaftskooperation, wie dem Block der RGW- Staaten, gute Ergebnisse zu erarbeiten und wirtschaftlich nutzbringend zu vermarkten. Die erfolgreiche Arbeit an der Schaffung und Nutzung von drei Generationen  leistungsfähiger Rechnersysteme, geschaffen im Verbund großer Teams der Teilnehmerländer des MRK- Rechentechnik- Abkommens (siehe auch  "Zum internationalen Vertragsrahmen"), war bezüglich der historischen Bewertungen der Lebensleistung der beteiligten Menschen in der DDR- Rechentechnik- Industrie vor allem eine herausragende ingenieurtechnische und entwicklungstechnologische Leistung, auf die alle Beteiligten mit Stolz und Genugtuung zurückblicken dürfen. Diese Einschätzung trifft voll auf den Zeitraum bis ca.1985 zu. Danach ist das allerdings nur sehr bedingt festzustellen, da die vielfältigen politischen und wirtschaftlichen Widersprüche immer chaotischer wurden und die Arbeit immer uneffektiver.

Die sich aufdrängenden Fragen des "Warum" der bekannten geschichtlichen Entwicklung ab 1990 können sicher nur schwer umfassend und objektiv analysiert werden, geboten ist vor allem eine exakte wissenschaftliche Analyse auf der Grundlage der politischen Ökonomie als der Basis der Existenz jeder Gesellschaftsformation.

Der "RGW" ( Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe der osteuropäischen sozialistischen Staaten) war, wie bekannt und bereits erwähnt, eine Wirtschaftsunion, welche nach dem Muster des sowjetischen Sozialismusmodells und seiner Planwirtschaft organisiert war. Dieses Sozialismusmodell basierte (nach dem Verlassen der "Neuen Ökonomischen Politik" -NEP- durch die KPdSU- Führung unter Stalin ) in der UdSSR  auf ökonomischen Dogmen, welche deutlich von den Lehren von Karl Marx zum Wert- Gesetz und dem Mehrwert- Prinzip abwichen und auch die Effekte der systemübergreifenden  internationalen Arbeitsteilung nur als Bedrohung verstand. Das Unverständnis der sowjetischen politischen Ökonomie zum Wirken des Marx'schen Wertgesetzes bzw. der Ignoranz dessen objektiver Gesetzmäßigkeiten im ökonomischen Reproduktionsprozess wirkten bekanntlich auch auf die Arbeitsweise aller RGW-Länder. Obwohl in der Ära Breschnews nach Amtsantritt von Ministerpräsident A.N.Kosygin ab 1965 die bedeutendste Wirtschaftsreform (nach NEP) in der UdSSR gestartet wurde, behielten die oben angedeuteten Entartungen der sozialistischen Ökonomie auch in dieser Phase ihre deutlichen Hemmnisse. Eine tiefgründige ökonomische Analyse der Geschichte der UdSSR und des Scheiterns des sowjetischen Modells bietet z.B. der Wiener Wirtschaftswissenschaftler, Journalist und kompetenter Kenner der Geschichte der UdSSR - Hans Kalt.

Das Beispiel ESER zeigt andererseits, welches Potential die sozialistische  ökonomische Integration  durchaus hätte  entfalten können, wenn mit grundsätzlichen ökonomischen und demokratischen sozialismusorientierten Reformen der RGW- Wirtschaftsblock wettbewerbsfähig gestaltet worden wäre.

Die Leistungen um das ESER allerdings mit allen bekannten und bewusst diskriminierenden Mängeln des Sozialismus aus dem Umfeld der DDR oder der UdSSR zu verunglimpfen oder dieses Projekt in die Ecke antikommunistischer Stalinismus- Wertungen zu drängen, ist ein unsachlicher, würdeloser und ungeeigneter Versuch.

 

Für die Zeit nach 1990 blickt man heute, im Wissen um die Geschichte nach 1990 und um die real eingetretene weltweite Weiterentwicklung der IT-Technologie und anderer Hochtechnologien, deren Anwendung und ökonomische Dimensionen, auf ein fast unerfassbares Szenario, auf das sich der RGW (hypothetisch) hin bewegt hätte, sofern kein tiefgreifender sozialismusorientierter Systemwandel ( s. u.) eingeleitet worden wäre. Was der "kapitalistische Systemwandel" für die Masse der Industriestandorte in Osteuropa gebracht hat, bedarf keines Kommentars.

 

Es sollen hier vielmehr kurz und fragmentarisch die objektiv bedingten gewaltigen Entwicklungen skizziert werden, auf die die DDR im Verbund des RGW objektiv hinsteuerte. Von der Qualifikation oder Führungskraft der Personen im IT- Management der DDR/ MRK war das wenig abhängig.

ESER- bezogen und aus technisch-technologischer und betriebswirtschaftlicher Sicht - obwohl nie eine völlig isolierte Betrachtung möglich ist- sollen für die Zeit nach 1990 einige hypothetische Gedanken anklingen, wie wir sie heute natürlich besser sehen können, aber zu denen schon ab 1985 viele unserer Chemnitzer Wortmeldungen und anderer DDR- Spezialisten in Berlin bei Herrn Mittag u.a. ungehört blieben:

  • Mit den Grundsätzen zur Prototyp- Basis wurde die Entwicklungstechnologie des ESER im MRK- Abkommen grundsätzlich regierungsamtlich beschlossen. Bei allen Vorteilen des systemtechnischen Vorlaufes, die "der Prototyp" bot, implizierte dieses Vorgehen generell einen Zeit-Rückstand, der für die Entwicklungsarbeiten an einer Rechnergeneration / Architektur- Generation [ von ca. 4- 5 Jahren] plus gewisse Anlaufzeiten benötigt wurde. Hinzu kam der Technologie- Rückstand, der sich auf Leistungsparameter auswirkte und von den relativ gut übereinstimmenden Bauelemente-Parametern der ersten Generation zu ständig wachsenden Rückstand anwuchs. Die Forderungen nach "Weltstand" hatten hier also rein formalen Wert! Die engen Wechselbeziehungen zu Technologie-Prozessen und die Bindung an die vorbestimmten Entwicklungstrends für derartige "Prototyp-Arbeiten" waren vom Embargo stark beeinflusst, sie beeinflussten jedoch die Negativ- Spirale des Hochtechnologie- Dilemmas des RGW nicht, sondern hielten sie eher partiell auf! Die konkreten technisch-technologischen Trends,  beispielsweise zur Hochintegrations- Mikroelektronik (VLSI), zu Hochleistungstechnologien und -Materialien für magnetische Speicher, Lichtleitertechnologien u.a. waren 1968/69 erst im Ansatz auf Spezialistenebene sichtbar und die Anforderungen und Belastungen, die sich mit dem technischen Fortschritt exponentiell verschärften, waren 1969 in ihrem späteren Umfange noch wenig erkennbar, es wären aber ohnehin kaum effektivere Alternativ- Konzepte machbar gewesen.

  • Die marktwirtschaftlichen Kräfte der kapitalistischen Welt führten in den USA und später in Westeuropa auf dem Gebiet von IT- relevanten Hochtechnologien mit den dort verfügbaren enormen F/E- Budgets nicht nur zu einer weltweiten Nutzung der Produkte der besten Firmen, sondern auch von Ergebnissen der militärischen Forschung/ Entwicklung im Zivilsektor. Diese Fakten erhielten  mit Beginn  des extremen technologischen kalten Krieges immer stärkeres Gewicht. In der UdSSR bestand hingegen bis 1990 ein eisernes Dogma, den militärischen Technik- und Wirtschaftsektor streng vom zivilen zu isolieren und dessen konkrete Technologie und Bauelementebasis über den gesamten Zeitraum der Nutzung der in den Waffenarsenalen befindlichen Technik nicht für zivile Nutzung freizugeben. Die damit einhergehende Doppelbelastung der sozialistischen Wirtschaft war auf längere Zeit untragbar und führte zusätzlich zu immer größerem Rückstand beider Sektoren, vor allem des zivilen (!).

  • Die im Westen entstehenden Hochtechnologien, wie LSI- und VLSI- Schaltkreise und immer neue Generationen von magnetischen und optischen Bauteilen und Geräten ( Hochleistungs- MB -Technik, Floppy Disks, Hard- Discs, CD , Flachbildschirme , Laser- Technologien und Hochleistungsnetze ... ) () fanden weltweit einen rasant wachsenden zivilen Markt: je mehr Geräte im Verkauf, um so höher die Innovationskraft der Produzenten und mit sinkenden Preisen eine weitere Ausweitung deren Anwendungsmöglichkeiten. Hoch spezialisierte Firmen für derartige End- Produkte, aber auch für tausende Materialien, Fertigungs- Equipment und Anwendungs- Lösungen entwickelten sich zu Giganten bzw. Monopolisten, deren Investitions- und Innovationskraft es ermöglichte, dass weltweite Produktlieferungen immer neue kreative Erkenntnisse in Produkten ermöglichten und deren Rentabilität, auch für immer anspruchsvollere Projekte, sicherte und verbesserte. Eine mächtige Spirale von Nachfrage nach immer mehr besseren und immer mehr Produkten einerseits und dem Angebot von immer leistungsfähigeren Produkten und Lösungen forcierte die "Ökonomie der  Massenstückzahlen" ("economie of scale") des Weltmarktes! Im Zeitraum des beginnenden Informationszeitalters ab ca. 1960 wuchs dieser Wirtschaftskomplex in den USA z.B. jährlich um ca. 25%.

  • Die Globalisierung lies vor allem in Südostasien zunächst einen gigantischen Niedriglohnsektor entstehen, diese Region wurde später zunehmend auch selbst zum zahlungskräftigen Markt. Von einer "economie of scale" konnte hingegen in den Ländern der MRK keine Rede sein. Planwirtschaft, starre Investitionsrestriktionen und ideologische Dogmen lähmten das Gesellschaftskonzept und vorrangig spürbar die Fertigungskapazitäten.

Vorstehende Gedanken  zwingen förmlich zum Vergleich gegenüber der Situation des sozialistischen Staatenblocks :

 

Das Gesamt-Material dieser WEB- Site, das soll nochmals betont werden, stellt die wichtigsten technischen, systemtechnischen, wirtschafts- und strukturpolitischen Facetten der ESER- Geschichte dar, die Fakten und Zusammenhänge der gegebenen Rahmenbedingungen im historischen Kontext. Die engen Wechselbeziehungen zu Prozessen und Entwicklungstrends, die vom Embargo stark beeinflusst wurden und die Kooperation mit Kollegen in der UdSSR und mit der UdSSR, sowie die konkreten Umstände und Auswirkungen wurden in den Materialien dieser Seiten bewusst besonders deutlich dargestellt, sie sind für das Verständnis vieler Umstände zwingend.

Nachfolgend soll der Focus auf Technologie- Aspekte gerichtet sein:

  • Eine grobe Analyse des Standes der IT- Hochtechnologien in der der DDR zeigt, dass im Zeitraum 1985- 1989 auf allen Gebieten der modernen Elektrotechnik ein Rückstand von 5 bis 10 Jahren bestand mit aussichtloser Perspektive, diesen unter den realen Wirtschaftsbedingungen zu reduzieren. Das war in verschiedenen Zweigen der gesamten DDR- Wirtschaft, wie des Schwermaschinen-, Werkzeugmaschinen- oder Schiffs- Baues u.a. noch längere Zeit günstiger, in Zweigen also, wo Schöpfertum und Kompetenz der Menschen einen höheren Wertschöpfungsanteil am Endprodukt im Vergleich zum Niveau der Zulieferungen oder Basistechnologien haben und wo Qualität und marktgerechter Gebrauchswert spezifisch durch die Kompetenz der Menschen wirksam beeinflussbar waren.

  • Ein Großteil der o.g. systemrelevanten IT- Hochtechnologie- Systembestandteile war für die DDR aus Eigenproduktion oder RGW- Importen ("SW- Import" auf Basis Transferrubel)  real nicht verfügbar. Neben einem gewaltigen DDR- Mikroelektronik- Programm wurden auf wichtigen Gebieten ( z.B. Floppy Disks, Hard- Discs u. a.) daher Fertigungsstätten und -Technologien unter Einsatz enormer $-und DM- Valutasummen importiert und mit der Montage-Fertigung von  Geräten auf Basis eines hohen Anteils importierter Baugruppen und Material begonnen. Für alle wichtigen Importpositionen auf Devisenbasis wurden darüber hinaus sog. Ablöseprogramme gestartet.

  • Das wichtigste Beispiel: Für LSI- Schaltkreise (als wichtigste Komponenten) wurden, weitgehend in theoretischer Arbeitsteilung mit der UdSSR, gewaltige Anstrengungen unternommen (bzgl. DDR siehe z.B. Staatsauftrag: "Höchstintegration" ), um das Grundequipment der Basistechnologie (hier nur Stichworte: Equipment+ Software und Materialien für Schaltkreis- Entwurf, Kristall- Züchtung, Wafer- Fertigung, Masken, Beschichtung, Belichtung , Ätzprozess, Dotierung,...., Prüfung, Bonden, Gehäuse...  ) im erforderlichen Technologie- Level ( d.h. Niveau der Strukturbreite der kleinsten Strukturelemente eines Chips) und die hunderte von dazugehörigen höchstreinen Chemikalien, Hilfsstoffen oder Verbrauchsmaterialien für eine Produktion stabil verfügbar zu haben. Ziel dieser Bemühungen war es in der DDR, eine schrittweise "Ablösung"  der wichtigsten, massenweise benötigten Bauelemente (Mikroprozessoren, Speicherchips.. ) aus DDR- Aufkommen für die wichtigsten Elektronikerzeugnisse (IT- Branche, mikroelektronische Steuerungen, Kommunikationstechnik, Gerätebau usw.) zu erreichen. Am Beispiel der Ablösekonzeption zum ESER- PC (siehe Dokumente  zur PC- Linie EC 1834/1835) allein wird deutlich, welche Größenordnung derartige Zielstellungen hatten.

  • Am Beispiel der Technologielevels der  Halbleiterindustrie sei das "Mikroelektronik- Dilemma", auf das die Wirtschaft der MRK- Staaten zusteuerte, grob skizziert. 1989 waren die Halbleiter- Prozesse z.B. im ZMD Dresden mit ca. 800 nm Strukturbreite die leistungsfähigsten unipolaren Technologien (CMOS) im Ostblock. In der UdSSR ( Selenograd) lag dieser Wert bei ca. 1µm.  Der Westen war schon eine , teilweise  zwei Generationen weiter (als Beispiel: in Dresden lief der 1MBit-Speicher im Versuchsstadium gegenüber 4 MBit in Serie in Japan, der BRD , USA u.a.).

     

    Eine kurze Erläuterung: Ein Technologiegenerations- Sprung in der Halbleiterindustrie erhöht bekanntlich die Produktivität und Leistung der Chips in mehrfacher Weise:

       

      • der Wafer- Durchmesser ( des Si-Monokristalles)  wächst üblicherweise so, dass etwa eine Verdopplung der Nutzfläche entsteht ( z.B. ein Schritt von 200 mm auf  300 mm erhöht diese um ca. 2,25).

      • Gleichzeitig erfolgt durch neue oder verbesserte Ausrüstungen und Prozesse eine deutliche Verkleinerung der Strukturbreite ( in 2013 bei ca.15 nm), was zur Verringerung der Verlustleistung eines "Gates" und/oder zu dessen Geschwindigkeitserhöhung, sowie zur Erhöhung der Packungsdichte der Schaltungen auf der Chipfläche und damit auch der Verkleinerung der Leitbahntopologie führt, sodass mit jedem Technologieschritt der Integrationsgrad und gleichzeitig die max. Taktfrequenz der Schaltung stark steigen kann.

      • Die Chips und die daraus entstehenden Geräte bleiben geometrisch klein, was wiederum ihrer Logik-Performance zugute kommt, denn die Signallaufzeit wird vergleichbar mit der Gatterschaltzeit. In einem Chip- Gehäuse können dadurch z.B. heute komplizierte Rechnerkerne eingebaut werden- bis zu 4-fach- Prozessorstrukturen mit großen Cache-Speichern, auf einer Platine ganze Rechnersysteme! Auch die Wärmebilanz der Baugruppen bleibt beherrschbar, ohne Wasserkühlung oder dergleichen.

       

    Ein Wechsel zu einer neuen  Technologie- Generation bietet bei annähernd gleichen Kosten /Chip etwa 4-fach leistungsfähigere Schaltkreise und erhöht verschiedenste Aspekte der Produktivität der Fertigung der Geräte stark !

    Solche Entwicklungsetappen verschlingen gewaltige Investitionsmittel und binden auch hunderte von Zulieferfirmen, die mit dem Tempo durch neue Produkte mithalten müssen, neue Verfahren müssen eingesetzt werden (z.B. Röntgenlithografie (X-ray lithography, XRL)) . Das Alles ist nur mit Massenstückzahlen refinanzierbar! Gleichzeitig beginnt ein Wettrennen auf dem Weltmarkt. Dieses führt dazu , dass nur noch wenige Technologieführer bei Prozessor- bzw. Logikschaltkreisen und Speicherschaltkreisen, aber auch bei vielen anderen Baugruppen und Geräten ( Datenspeicher, Netzwerkkomponenten usw. ) konkurrenzfähig sind und dann den gesamten Weltmarkt dominieren. Das sichert wiederum auch ein sehr hohes Innovationstempo.

  • Seit 1990 haben weltweit mehrere Generationswechsel stattgefunden. Derartige Prozess konnten- als eine rein spekulative Betrachtung - unter den weitgehend isolierten Bedingungen des Ostblocks nach außen und den schlechten Kooperationsbedingungen nach innen selbst bei außerordentlichen Anstrengungen nur mit wesentlich geringerem Tempo ablaufen, denn die verfügbaren Entwicklungskapazitäten der Länder waren eng begrenzt, der Markt und die Fertigungskapazitäten erlaubten nur geringe Stückzahlen, die keine wirtschaftliche Refinanzierung im Gleichschritt mit dem Weltmarkt ermöglichten. Allein das war eine perspektivische Todesspirale. Ungeachtet der mit den Konzepten der Eigenentwicklung verbundenen enormen Anstrengungen war der Import der Baugruppen/ Bauelemente darüber hinaus für die DDR deutlich teurer, als ein Fertigprodukt im "nichtsozialistischen Wirtschaftsraum" (NSW). Diese standen auf der Embargoliste und die Hoffnung der DDR-Oberen bestand wohl darin, mit  Eigenproduktion eine höhere Bedarfsdeckung mit gleichem Valutaaufwand zu erzielen, ohne im NSW wirtschaftlich a priori jemals konkurrenzfähig zu sein. Die erforderlichen Valutamittel mussten also mit anderen Exporten erwirtschaftet werden- zu Lasten von Konsumgütern für den Innenmarkt, enormer Schuldenlasten durch Auslandskredite u. a.- eine verheerende Negativ- Spirale!

  • Eine Schritt- haltende Entwicklung der Mikroelektronik war also eine gewaltige Illusion. Nur mit extremer Konzentration auf wenige Arbeitsfelder und einer weitaus tieferen stabilen Kooperation im RGW hätte unter den Bedingungen der Systemkonfrontation ein hoffnungsloses Zurückbleiben partiell verzögert werden können.

  • Das ESER- Konzept wurde im Entwicklungszentrum Karl- Marx- Stadt aus reinen  Gründen des real Machbaren auf eine max. Konzentration der Nutzung universeller LSI /VLSI-Lösungen (CMOS- Gate- Arrays) gerichtet, die in den DDR-Entwicklungsplänen festen Bestand hatten und in großer Breite einsetzbar waren- z.B. auch für Werkzeugmaschinensteuerungen. Das war natürlich nur eine beschränkte Überlebens- Strategie. Das erste in Karl-Marx- Stadt selbstentworfene CMOS- Gate- Array , gefertigt im VEB ZMD Dresden, wurde übrigens in den Mustern des IBM/AT- kompatiblen Personalcomputers EC 1835 erfolgreich eingesetzt.

  • Der o. a. Weg der Eigenfertigung systemrelevanter IT- Hochtechnologie- Bauteile, der eine enorme Breite technologisch verschiedener, letztlich nicht beherrschbare Produkte umfasste, musste zwingend zu ständig wachsender Anhängigkeit von High-tech- Bauelementen, Material, technologischem Equipment usw. führen. Alles das weitgehend für den isolierten Markt der DDR, denn ein Export in die SW- Region wäre einem Tausch der eingesetzten NSW- Valuta gegen SW- Transferrubel oder gegen gleichwertige, meist nur formal existente andere Produkte gleichgekommen (!). Das Tempo der Aufholjagd zur Ablösung von LSI- Schaltkreisen, Speicherchips,  Hightech-Importbaugruppen blieb trotz größter Anstrengungen hinter der weltweiten Entwicklung neuer Generationen neuer Hochtechnologie- Bauteile enorm zurück. Es musste hinter der weltweiten Entwicklung zurückbleiben, denn die DDR konnte mit ihrem Markt (Eigenbedarf und bedingt SW- Exporte) auch nicht annähernd ökonomisch erfolgreich sein.

  • Auch in der UdSSR wurden die Widersprüche im Niveau der Technologie zum realen Bedarf ebenfalls immer offensichtlicher und krasser, den Kern bildete das verfügbare Niveau der LSI- Schaltkreistechnik!  ( siehe dazu die Ausführungen des ESER- Generalkonstrukteurs ). Selbst Spitzenprojekte der Verteidigungsindustrie litten deutlich.

  • Trotz derartiger Umstände arbeiteten die ESER- System- Spezialisten und Entwicklungs-Ingenieure bis 1990 in der DDR mit Erfolg an der Entwicklung modernster Geräte, wie die Eigenentwicklung wesentlicher Logikkomplexe des Personalcomputers EC 1835 analog IBM PC/AT (siehe PC- Artikel ) oder dem Entwurf der ESER- Mainframe- Linie  EC 1150 auf CMOS - Basis. Dahinter stand ein gutes know- how, das für unsere Entwickler nach 1990 am Arbeitsmarkt der BRD viel Wert hatte. 

  • Der Zusammenbruch des Ostblockes und der Anschluss des DDR- Territoriums an die BRD führte zu einem gewaltigen wirtschaftlichen Dammbruch unter völlig neuen, in der DDR bislang ungewohnten Bedingungen. ...  , die gesamte IT-Industrie der "neuen Länder" war 1990 schlagartig ohne marktfähige Produkte, deren Fertigungsbereiche (betriebe) wurden durch den Überschuss des Weltmarktes eliminiert, die erfahrensten Mitarbeiter konnten erfolgreich im Softwarebereich und bei IT- Dientsleistungen (sog. "professionell Services") neue Arbeitsstellen finden oder schaffen .

Die Bedeutung derartiger o.g. Technologie- Levels hat, wie allgemein bekannt, für das Leistungsniveau einer Volkswirtschaft deshalb eine so gewaltige, ja entscheidende Bedeutung, weil die alle Wirtschafts-Sektoren und Lebensbereiche durchdringenden IT- Prozesse das Niveau der Arbeitsproduktivität, der Material- und Energieökonomie und letztlich das Niveau des wirtschaftlich oder technisch sinnvoll Machbaren bestimmen. Mit jeder neuen IT- Technologie- Generation steigt nicht nur die Performance der Technik gewaltig, sondern auch deren Materialökonomie, Energieeffizienz usw. Am Beispiel des Vergleiches einer Mainframe der Klasse IBM / 360 zu einem heute normalen Personalcomputer wird sofort deutlich, dass trotz zig-tausendfach höherer Leistung heute für einen PC (global für alle Prozesse incl. Komponenten und Baugruppen  zusammengerechnet) nur wenige Stunden lebendiger Arbeit im Vergleich zu zig-tausenden von Stunden für eine komplette Mainframe der 80-ger Jahre benötigt werden, eine unvorstellbare Steigerung der Arbeitsproduktivität! Das schließt den verringerten Einsatz an Material und Energie gleichzeitig ein. Auch die Betriebskosten, Gebäudeinvestitionen usw. unterscheiden sich mit jeder Generation gewaltig. Die Weltwirtschaft verfügt daher über kolossal steigendes Wachstumspotential!

Letztlich sei auch daran erinnert, dass in (fast) allen modernen Waffensystemen ( Flugkörper, Leitsysteme usw.) deren technisch- taktische Eigenschaften wesentlich von Masse, Energiebedarf, Leistungsumfang, Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit usw. des Elektronik- Equipments abhängen. Das Beispiel eines Kampfflugzeuges zeigt, dass im Wettrüsten bei gravierend abweichendem Niveau der Elektronik auch durch noch so geniale Aerodynamik oder Kampfkraft der Bewaffnung ( z.B. Mehrfach- Sprengköpfe) keine vergleichbare Qualität erzielbar ist. Daher mussten -von Ausnahmen abgesehen, wie etwa bei Höchstfrequenz- Bauelementen- deutlich mehr Anteile der "Elektronik" am  Gesamtgewicht, Leistung der Antriebe usw. und entsprechend höherer Arbeits- und Materialaufwand als in taktisch vergleichbaren modernsten US- Systemen realisiert werden.

 

Die enorme Dynamik der IT- Hochtechnologien, die sich im Zuge der westlichen Marktsystems entwickelte, übte auf das reale, konkret existente sozialistische Wirtschaftssystem immer stärker werdende destruktive wirtschaftliche Wirkungen aus und führte vorrangig zu wachsender Isolierung und zu unfassbaren ideologisch diktierten "Aufholkonzepten". Aber es waren unter den existenten Randbedingungen keine alternativen realen Lösungsansätze verfügbar, auch keine, die bei wesentlich tieferer  Kooperation UdSSR/ DDR  gestaltbar gewesen wären, ohne gleichzeitig die Systemkonfrontation der Weltsysteme und die Isolation des Sozialismus schrittweise zu überwinden. Erst 1989 wurde die These von "Kontinuität und Reformierung" zum Gedankengut der DDR- Führung!

Allerdings war vielen Spezialisten klar, dass  für einen reformierten Sozialismus  ein Szenario des wirtschaftlichen Kollaps der Wirtschaft zu erwarten war, weil bei tiefgreifenden Reformen im Zuge der dringenden  Integration der Wirtschaft in den Weltmarkt unsere Produkte ihren Markt verlieren würden, sofern das zu schnell geschehen müsste. . Große Teile der Wirtschaft steckten daher unter den alt einhergebrachten Bedingungen in einer Sackgasse. Eine erdrutschartige Umstellung auf die Konkurrenz des Weltmarktes konnte nur mit einem Fiasko enden!

An diesen wenigen Gedanken zum Technologie- Level des sozialistischen Wirtschaftssystems wird extrem deutlich, welchen gewaltigen strategischen Einfluss die Embargopolitik der USA und der westlichen Staaten entfaltete! Das ist sicher nicht der alleinige Faktor des Niederganges des realen Sozialismus, jedoch ein sehr wesentlicher Wirtschaftsfaktor!

Eine Bestätigung unserer Wertungen und Prognosen auf diesen auf diesen ESER-Seiten - nunmehr für 25 Jahre danach - bietet ein völlig neutraler und kompetenter Zeuge :

In seinem Artikel zum Projekt "Skolkowo"  vom Aril 2011 zeigt der russische Nobelpreisträger für Festkörperphysik Schores Alfjorow , welchen Einfluss der Entwicklungsstand der IT- Technologie eines Landes auf seine Gesamtwirtschaft und seine wirtschaftliche Zukunft besitzt und welche Defizite heute in Russland existieren. Seine Darstellung  mutet an wie ein "Experiment einer Zeitmaschine " für einen Blick 25 voraus für die DDR- Wirtschaft unter den Embargo- und Systembedingungen des RGW.

Allgemein ist die bekannte These vom  "Todrüstens des Sozialismus " wird ein militärisches Kalkül des Wettrüstens im kalten Krieg  verstanden. Man muss aber weit komplexer feststellen, dass das Embargo-  die Verweigerung des Zuganges zum Technologie-Weltmarkt- letztlich eine Strategie der langfristigen technologischen Erpressung des Ostblockes zur Aufgabe seiner Grundprinzipien beim Bau einer sozial gerechten demokratischen Gesellschaft war, eine Strategie der quälenden langsamen technologischen Erdrosselung des Sozialismus! Die Forderungen der USA bzw. der Weltbank, wie sie z.B.  1989 gegenüber Ungarn klargestellt wurden, belegen laut US - Präsident Bush /sen. : 

Es wird keine Kombination von "östlicher Macht" und "westlicher Technologie" geben, nur bei einem grundsätzlichen politischen Systemwechsel werden die USA wirtschaftlich helfen! ( siehe u.a.  Herbst '89 )

Die vorstehenden Betrachtungen zeigen am Beispiel des gewählten Sektors IT- Technologie , dass eine Weiterentwicklung bzw. Reformierung des Sozialismusmodells in Gemeinschaft der wichtigsten RGW- Länder nur unter wesentlich neuen system- politischen Vorzeichen und Kalkülen vorstellbar gewesen wäre. Kern einer derartigen sozialistischen Weiterentwicklung musste die UdSSR sein. Im Bereich der Wirtschaft (neben vielen anderen Elementen, wie sozialistische Demokratie, Rechtsstaatlichkeit u.a.) wären etwa die  Einführung von  Marktwirtschafts- Aspekten neben Elementen der gesamtstaatlichen Planung, schrittweise Umstellung der Betriebe auf Grundprinzipien der wirtschaftlichen Rechnungsführung und Rückführung von Subventionen bei großen Gruppen von Produkten durch rentable Inlandpreise, Einfügung in die globale Wirtschafts- Integration unter Meisterung einer zwingenden gravierenden Senkung  des Lebens- Niveaus der Bevölkerung zur Angleichung an das Produktivitätsniveau des Weltmarktes ( ein Großteil der DDR- Industrie hatte durchaus ein reales Entwicklungspotential zur Schritt- weisen Integration in den Weltmarkt) , Korrektur der Devisenwirtschaft, Sicherung des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln bei Zulassung eines dedizierten Anteils an Privateigentum, Erhöhung der Eigenverantwortung des Managements der Betrieb und Förderung privater unternehmerischer Initiativen usw. sinnvoll gewesen. Als Triebkräfte wären auch die gesellschaftliche Anerkennung hoher Leistungen und eine deutliche Verbesserung des Leistungsprinzips zwingend gewesen, um auch dem personellen Exodus an Fachpersonal entgegen wirken zu können! 

 

Nach dem erkennbaren weltweitem Scheitern sowohl des starren Sowjetsystems nach stalinistischen Grundprinzipien als auch des imperialistischen Neoliberalismus wäre jedoch eine extrem sensible Gratwanderung mit dem Streben nach einem neuen, sozial gerechterem Gesellschaftsmodell zu erwarten gewesen, die nur Chancen gehabt hätte, wenn sie weitgehend frei von negativen äußeren Einflüssen geblieben wäre. Das war angesichts der Dimension einer solchen Aufgabe und der Rahmenbedingungen im Zeitraum um 1990 aber höchst unwahrscheinlich.

Die BRD wollte die DDR vereinnahmen, die Großmächte beugten sich schrittweise dieser Politik. Und aus heutiger Sicht ist deutlich - es gab kein reales Alternativkonzept für eine eigenständige DDR.

 

Der Imperialismus mit seiner US- Doktrin der Beseitigung des Kommunismus war mit seinem Embargo- Instrument, der Konstellation der technologischen Dominanz ab Mitte der 80er Jahre und mit anderen Mechanismen, wie etwa der Weltbank oder dem IWF, in der Lage, auch denkbare neue sozialistische Gesellschaftskonzepte, sofern sie für ihn zu einer strategischen Gefährdung zu werden drohten, zu erdrosseln. Übrigens, und das sei noch angemerkt, funktionierte das Embargo so gut, dass es auch heute noch von den Staaten der westlichen Welt als Waffe gegenüber allen Staaten eingesetzt wird, deren Politik sich nicht dem Willem bestimmter westlicher Demokratien unterordnet. Heute ist es bei politischen Konflikten immer noch nicht üblich, die Interessen und die Souveränität Anderer zu respektieren und sich nicht nur der Anwendung von Waffengewalt zu enthalten, sondern auch deren erpresserischer Androhung. Das Embargo des vergangenen kalten Krieges war zweifellos eine Anwendung von Gewalt.     

 

Die Wurzeln des Scheiterns des real bestehenden sozialistischen Wirtschaftsmodells lagen wesentlich früher, als ihre Auswirkungen dann Mitte der 80ger Jahre in breiter Front bedrohlich deutlich wurden. Diese Lage entwickelte sich - nachdem 1953 durch Stalins Tod sich die Chance für einen  neuen Sozialismus öffnete- bereits durch Zulassung gravierender Fehler nach dem XX. Parteitag der KPdSU und dann in den 60-er Jahren , vor allem durch  Nichtreformierung des realen Sozialismus, wachsender Defizite der demokratischen Gestaltung der Gesellschaft, der völlig unzureichenden Beachtung der Wirkungen der wachsenden Globalisierung u.a.  

Die Bewältigung der Systemkrise des Sozialismus durch Reformierung seines Systems war eine gemeinsame Aufgabe aller europäischen sozialistischen Kernländer- vor allem der UdSSR. Nur im Verbund mit der UdSSR war die DDR als souveräner sozialistischer Staat lebensfähig. Wir wissen, dass die Hoffnungen der Menschen in die Perestroika für sehr viele DDR- Bürger zu den bittersten Enttäuschungen dieser Zeit wurden!

 

Die technische Politik des ESER- Teams war (unter den gegebenen Randbedingungen) strategisch durchaus gut und wurde fachlich gut umgesetzt. Die systempolitischen Randbedingungen im RGW  und der DDR waren- zumindest nach 1956 (XX. Parteitag der KPdSU )- strategisch miserabel! 

Aber das wäre ein eigenständiges Thema außerhalb von WWW- ESER- Seiten!

 

 Gedanken zur Bewertungen der Lebensleistung der Beschäftigten der DDR- Rechentechnik :

Der Erhalt von Arbeitsplätzen vieler hochkompetenter Mitarbeiter der ehemaligen DDR- Industrie, meist in Eigeninitiative oder durch gezielte Strategien westlicher Firmen ( Outsourcing, Marktpenetration durch DDR- Wissensträger .. )  waren die einzige Chance schöpferischen Unternehmertums, der Verwertung des Könnens und der Motivation der Menschen, der Nutzung teilweise modernster Import-Anlagen und der Weiterführung von Teil-Betrieben oder von Neugründungen in Ostdeutschland. 

 Die korrekte und faire Bewertungen der Lebensleistung der Beschäftigten der DDR- Wirtschaft ist daher eine  Schlüsselfrage der Entwicklung in Ostdeutschland und der Gestaltung der ideologischen Vereinigung der Menschen.

 

Vorbemerkungen:

  • Weder die BRD noch die DDR konnten ohne enge Abhängigkeiten von den "Führungsstaaten" ihrer Blocksysteme -USA und UdSSR- existierten. Der Grundtypus der Gesellschaftsform und alle wichtigen innenpolitischen und geopolitischen Entscheidungen [Bündnis der NATO bzw. des Warschauer Paktes] waren für die BRD und DDR vorgegeben und nur sehr partiell national gestaltbar [internationale Verträge,  Bündnisverträge, Nachwirkungen des Besatzungsstatus in Ost und West, Truppen- und Raketenstationierungen, Embargo .. ].

  • Das Leben der Menschen in jedem konkreten Staat mit jedem gesellschaftlichen System verläuft in sehr komplexen Zusammenhängen und Abhängigkeiten, in einem sensiblen Gleichgewicht persönlicher und gesellschaftlicher Einflüsse und Interessen auf der Grundlage des ökonomischen Systems dieses Staates. Es ist unsinnig und irreführend, einzelne Facetten eines Systems und der Leistung seiner Menschen isoliert zu betrachten und mit den offiziellen Werte-Maßstäben einer anderen Rechtsordnung oder eines anderen Gesellschaftssystems zu bewerten.

  • Es ist keineswegs Anliegen dieser Darstellungen, die heute bekannten Verbrechen und Fakten der Entartung des Sozialismusmodells durch die Führung der UdSSR unter Lenin, Stalin, bis Breschnew, der Auswirkungen auf die  Menschen ihres Landes und der verbündeten Staaten - allgemein als Bolschewismus/Stalinismus benannt- oder die Mitwirkung der DDR- Führung an solchen Auswüchsen zu relativieren oder zu rechtfertigen!

  • Es sollte jedoch beim Blick auf die Geschichte und Leistungen der DDR immer im engen Blickfeld bleiben, dass  die Westgrenze der DDR die erste strategische Verteidigungslinie des Warschauer Paktes darstellte und bis 1990 die 4 alliierten Staaten der Anti- Hitler- Koalition - als Beispiel - noch regelmäßig Karten zur Lage der militärischen Sperrgebiete, darunter auch des Grenzstreifens zwischen DDR und BRD austauschten, wohl wissend um die enorme Sensibilität der militärischen Weltlage.   

Zur "Angliederung" der DDR an die BRD:

 

Die DDR in allen ihren Facetten- vom  Gesellschaftssystem des "real existierenden" Sozialismus bis hin zu allen Strukturen in Industrie und Wissenschaft, Gesundheitswesen, Bildung usw. wurde im Zuge der Angliederung an die BRD im Zeitraum 1990 von den Siegern gezielt als ein Gebilde dargestellt, welches so schnell wie möglich als politisches System mit seinem "Volkseigentum" und seinen rechtlichen und staatlichen Strukturen komplett "abgewickelt" werden sollte. Die Wirtschaft des Landes wurde mittels Turbo- Gesetzen privatisiert und große Teile des Privatbesitzes an Grund und Boden an ehemalige Besitzer rück- übertragen oder verschleudert.

Die UdSSR- Führung unter Gorbatschow und einiger "UdSSR-Deutschlandstrategen", die den Prozess der "Perestroika" im fortschreitendem Stadium nicht mehr beherrschten und teilweise bereits auf sozialdemokratische Positionen gewechselt hatten, und die USA unterstützten und förderten den deutschen Einigungsprozess.

Eine Alternative zum  politischen und wirtschaftlichen System der BRD war in Deutschland 1990 unreal, dafür hatte die politische Ignoranz der DDR- Führung und der reale Zustand der Wirtschaft des RGW keine Grundlage gelassen. Auch eine wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Übergangsphase, in der sich  vor allem die kompetenten progressiven Kräfte in Ostdeutschland gestaltend bzw. mitbestimmend einbringen konnten oder die Handelsbeziehungen der DDR- Wirtschaft im  Ostexport gleitend valutaseitig umgestellt worden wären, wurde mit dem enormen politischen Druck auf das Tempo der DDR- Angliederung und mit dem lückenhaften und übereilt akzeptierten Einigungsvertrag ausgeschlossen. Hier sei die Frage gestattet:

  • verstanden führende Politik- und Wirtschaftskreise der BRD 1989/1990 das Technologie- Dilemma der Industrie der "neuen Länder" und deren Strukturen überhaupt auch nur annähernd und waren sie bereit, der Industrie der "neuen Länder"  zum Erhalt wichtiger Industriestandorte und Branchen eine Schonfrist zu geben (steuerliche Massnahmen, zollähnliche Restriktionen usw.) oder

  • war die Politik bestrebt, die Menschen in Leipzig , Dresden, Chemnitz, Magdeburg usw. vorsätzlich zu betrügen, durch deren Abstimmungsverhalten der CDU einen Wahlsieg zu schaffen und das Volksvermögen aus 40 Jahren Arbeit der DDR- Bevölkerung an West- Banken, Wirtschaftsverbrecher und Konzerne zu verschleudern und massenweise know- how und Arbeitsplätze zu vernichten?  

Die gezielte De- Industrialisierung der ostdeutschen Länder im Sinne von Kinkel ( Delegitimierung der DDR ) und Fr. Breuel ( Treuhand) waren wohl der Auftrag !

Um diesen Prozess der "Abwicklung" aus Sicht der BRD-Wirtschaft, der BRD-Politik und von deren "Treuhändern" effektiv und schnell voranzubringen, war es dafür offenbar sehr zweckmäßig, alle Facetten des Antikommunismus gegen den Staat DDR zu aktivieren und zunächst einmal

  • komplett alle Werte der ehemaligen DDR zu diskriminieren und der DDR ihre Legitimation abzusprechen

  • alle DDR-Strukturen und Organisationsformen, wie Betriebe und Kombinate, Gesundheitswesen, Bildungswesen, Landwirtschaft in breiter Front als ineffektiv darzustellen und daher nicht geeignet für eine Umgestaltung bei teilweiser Erhaltung ;

  • deren Bürger in der Breite als inkompetent und unfähig darzustellen, um sie in der neuen Ordnung bei vergleichbaren Leistungen billig "einkaufen" zu können.

  • war also das ganze Geschrei von der schlechten Produktivität der Wirtschaft und die Einführung eines Wechselkurses für DDR- Betriebe im Ost- Export von katastrophalen 2:1 nicht eher ein Kalkül, das Selbstwertgefühl der Menschen  und den Widerstand gegen jegliche Art von unsozialer Wirtschaftspolitik zu lähmen?  

In der öffentlichen Propaganda wurde auch tunlichst ausgeblendet, dass letztlich viele politische Entscheidungen und Lebensumstände der Menschen durch aktive Maßnahmen der USA und der BRD zur "Zurückdrängung und Schwächung des Sozialismus" impliziert wurden bzw. dass Lebensumstände und materielle Möglichkeiten oft infolge unmittelbarer Gegenreaktionen der DDR in der unsinnigen Spirale des Wettrüstens und der Systemkonfrontation, in einer Hysterie des Wettrüstens und Konfrontation waren.

Als Zielscheibe allen angestauten Unmuts der DDR- Bürger über viele unattraktive Umstände und Missstände ihres Lebens in der DDR (Schwerpunkt - die Honecker- Ära nach 1985) und des jahrelangen Fehlens von verständlichen Perspektivkonzepten wurden die politischen Träger der DDR, vorrangig die SED- Führung und gezielt die Mitarbeiter des MfS der DDR als Kriminelle und ethisch- moralische Verbrecher im Einigungsvertrag und durch Rechtsakte vorsorglich kriminalisiert. Welch ein Unterschied im Umgang mit Naziverbrechern in der BRD! Und welche Scheinheiligkeit , das Niveau von Wandlitz als Betrug am Volke zu stilisieren, verglichen mit westlichem Prunk und Luxus eher ein ärmliches Niveau !

 

Erleichternd für eine gewisse Wirksamkeit dieser Strategie war auch die Tatsache, dass sich in Wirtschaft und Politik der BRD 1990 durchaus noch wesentliche Elemente der erfolgreichen "sozialen Marktwirtschaft der BRD" erhalten hatten und die Auswüchse des Neoliberalismus bzw. Raubtierkapitalismus in allen seinen Formen noch nicht angekommen waren, sodass sich das Meinungsbild über die BRD unter vielen Ostdeutschen damals positiver darstellte und sich wesentlich von dem Bild 20 Jahre später unterschied. Aber die Erwartungen der Bürger Ostdeutschlands nach Gleichberechtigung und persönlicher Entwicklung, nach deutlicher Annäherung der Lebensumstände und persönlichen Perspektiven an die der alten BRD, ein geglaubtes Grundrecht aus dem Grundgesetz, wurden nur partiell Wirklichkeit. Widersprüche blieben oder vertieften sich sogar. Trotz enormer "Ausgleichsfinanzierungen" der Haushalte der "neuen" Länder und trotz enormer Investitionen wurde der Ost- West- Gradient in den Lebensumständen, Perspektiven und Hoffnungen, im Stimmungsbarometer und damit letztlich im Wahlverhalten nicht kleiner. Noch heute ( oder heute wieder? ) bewerten laut Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI)  (gem. "Der Spiegel", 23/2009, S.75) ca. 75% der Ostdeutschen die soziale Marktwirtschaft kritisch oder lehnen diese in der real existenten Form ab.

 

Die Auswirkungen der "Globalisierung", die Verbreitung der Auswüchse des  US- dominierten Neo-Liberalismus in Europa und auch deren Nutzung durch die Führungsriegen der BRD- Regierungskoalitionen, Gewinnsucht und moralisches oder kriminelles  Fehlverhalten des Managements deutscher Unternehmen, das Anwachsen der Schere in der materiellen Lage der Menschen, "Agenda 2010", Hartz IV usw. haben wesentlich dazu beigetragen! Die tiefe System- und Finanzkrise des Kapitalismus in unserer Zeit lassen auch keine wesentlichen absehbaren Änderung dieser Situation erkennen. Für die politische "Elite(?)" der BRD und deren Medien sind daher die Themen "Unrechtsstaat DDR" und "Lebensleistung der in der DDR aufgewachsenen Bürger " scheinbar gut geeignet, ideologisch gegen kritische Haltungen gegenzuhalten und die Menschen mit Halbwahrheiten und einseitigen Betrachtungen gezielt zu manipulieren. Allerdings - trotz großer Anstrengungen, gelingt es kaum, die Menschen zu verdummen- sehr wahrscheinlich wird damit das Gegenteil erreicht.

Um die nächsten 10 Jahre zu gestalten braucht niemand ein Thema "Unrechtsstaat DDR" ! Es ist total ungeeignet, kreative Impulse für die Lösung der anstehenden Probleme der wirtschaftlichen Lage, der längerfristigen Sicherung des Industrie - Standortes BRD  und der allgemeinen gesellschaftlichen Situation (Bildung, Gesundheit, Altersarmut, Innovationskraft ..) zu generieren. Es führt nur zur weiteren Diffamierung Andersdenkender und heizt Spannungen an.

Es ist höchst erstaunlich, dass bei öffentlichen Diskussionen zum Thema  "Unrechtsstaat DDR - ?" auch heute die tiefe Anhängigkeit des Staatswesens der DDR von den Grundsätzen der Sicherheitspolitik der Staaten des Warschauer Vertrages und bestehenden Verträgen "ausgeblendet" wird! Die Stationierung einer großen sowjetischen Armeegruppe in der DDR und der Einfluss zehntausender UdSSR- Berater und Instrukteure, Bündnisverträge (!) usw. hatten aber klare Auswirkungen. Würde man Blockbindungen aber in die Diskussion einbeziehen, wäre unumgänglich auch die Politik der USA und deren zweifelhafte Rolle als "Weltmacht", als Missionar der westlichen Demokratie und die Beziehungen der BRD dazu zu diskutieren.

Ethisch- moralisch waren viele Praktiken in der DDR, wie die "Sicherheitsarbeit" der DDR- Staatsorgane, die Angst der Oberen, dass sich die Menschen selbst umfassend über die Welt und in der Welt informieren, Dogmatismus und wirtschaftliche Ignoranz oder fachliches Unwissen u.a. für einen sozialistischen Staat nicht akzeptabel und extrem schädlich. Zu DDR- Zeiten wurden diese Dinge von vielen Menschen oft kritisiert, der Versuch einer Änderung kam erst, als es zu spät war! Und als Gorbatschow den Verführungen oder Millionenangeboten des Westens erlegen war. Die Orientierung breiter Kreise innerhalb der DDR auf "Gorbatschows Reformen" war eher eine verzweifelte Hoffnung, denn eine reale Chance. Nur wenigen DDR- Bürgern war die wahre politische Situation in der UdSSR und das Fehlen eines wirkungsvollen sozialistischen Ökonomie- Programms bekannt. 

Fakt ist, dass ein übergroßer Anteil derer, die sich für den Staat DDR engagierten, dank ihrer Urteilskraft und Kompetenz schon gegen Ende der DDR- Zeit und vielmehr Jahre danach selbst in der Lage ist, Recht und Unrecht, Gutes, Mangelhaftes und Unerträgliches mit Sachlichkeit und Augenmaß zu differenzieren. Es braucht dazu keiner Belehrungen oder Anschuldigungen durch Leute, die von Alledem keine Ahnung haben, nicht dabei gewesen waren oder heute bei ihrem  politischem oder Arbeitnehmer- Kariere- Trip mit staatstragend  gefiltertem  Gedächtnis unterwegs sind. Für ältere Ostdeutsche bedarf es jedenfalls keiner gelenkter Medienkampagnen, die Menschen haben ihren Verstand nicht verloren.

Man könnte die permanenten Anti- DDR Diskussionen als älterer, nunmehr ca.20 Jahre "geschulter"  BRD-Neubürger verdrängen, wenn nicht mit der initiierten "Wertschätzung" des Staates DDR pauschal und ohne Differenzierung auch  alle Inhalte der Tätigkeit der Menschen in diesem Staate diskriminiert oder verurteilt würden! Auch die "Lebensleistung der in der DDR aufgewachsenen Bürger" und viele erhaltenswürdige Strukturen und Praktiken erhalten damit auch heute immer noch bzw. verstärkt wieder a priori eine Auffrischung dieses Negativ-Stempels!

Aber auch für die jüngere Generation der heute 18- 40 jährigen, die bewusst erst zu BRD- Zeiten aufwuchs, sind alle Facetten des praktizierten Neoliberalismus mit seiner zunehmenden  Marktradikalisierung, der schleichenden Demontage des Sozialstaates, der Privatisierung aller Bereiche des Lebens bis hin zum Gesundheitswesen und zur Bildung und die wachsende soziale Kluft zwischen der Masse der einfachen Menschen und der Kaste der Reichen und Eliten für das heutige Staatssystem Wertung genug. Auch diese Menschen haben genug Verstand und Würde, um genau zu differenzieren.

 

Zum Thema "Lebensleistung der in der DDR aufgewachsenen Bürger" :

Das Selbstverständnis und die Wahrnehmung der Lebensleistung sind ein enorm wichtiger Bestandteil des Selbstwertgefühls und der öffentlichen Stellung eines Menschen! Man kann dazu den deutschen Philosophen Hegel heranziehen, der bereits zum Schluss kam-

.. ohne Anerkennung keine Freiheit, kein selbstbewusstes Ich, keine Selbstverwirklichung - kein Glück.

Die Anerkennung der Lebensleistung eines Menschen, seines Lebenswerkes spielt besonders für ältere Menschen eine wichtige Rolle. Versuche, einem Menschen den Wert seiner Lebensleistung abzusprechen oder diese geringzuschätzen, stellen eine Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte dar. Sofern dabei die Herkunft zwischen  Ost und West zusätzlich wesentlichen Einfluss hat, stellen sie auch eine Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes dar.

Die Frage der Lebensleistung geht daher weit über das Thema der Überleitung der Anwartschaften und der Renten in Ostdeutschland auf die Bundesrepublik Deutschland hinaus. Es geht hier auch nicht um bestehende Ausnahmen, Ungerechtigkeiten und Lücken im Rentenrecht. Aus der Wahrnehmung der Lebensgewohnheiten der Deutschen in Ost und West wird offensichtlich, dass neben vielen anderen Besonderheiten und typischen Spezifika, die sich im Zusammenleben der Menschen unter unterschiedlichen Bedingungen in 40 Jahren entwickelten, die "Traditions- Pflege" der Geschichte ihrer Betrieb und Einrichtungen in den neuen Ländern eine spezielle Rolle spielt. Menschen legen dort besonderen Wert auf die Würdigung der Rolle und Leistungen in ihren ehemaligen Arbeitstätten, wo Betriebsklima, Zusammengehörigkeitsgefühl und Kollegialität gut entwickelt waren, wo man sich im Arbeitsprozess wohl fühlen konnte und Freude empfand, etwas geschaffen zu haben.

Viele Mitarbeiter von DDR- Betrieben und -Einrichtungen blicken heute auf mehr als 50 Jahre seit Gründung ihrer ehemaligen Wirkungsstätten zurück, die oftmals im Zuge einer neuen Strukturpolitik ab 1956 gemäß den Direktiven des zweiten Fünfjahrplanes der DDR geschaffen wurden. Im Bereich von Robotron wurde z. B. am 01.April 1957 vor 52 Jahren der wissenschaftliche Industrie- Betrieb ELREMA in Karl- Marx- Stadt/ Chemnitz gegründet. In Dresden würdigte eine Jubiläumsversammlung die Schaffung des (Dresdner) Zentrums für Forschung und Technik (ZFT) vor 40 Jahren am 01. 04. 1969. Bei derartigen Treffen wird deutlich, dass das Lebensalter und Chancen am Arbeitsmarkt diese Menschen in zwei Gruppen teilen - Menschen, deren professionelles Lebenswerk etwa 1990 endete und Menschen, die die Chance fanden oder sich gestalteten, ein zweites Berufs- Leben nach 1990 zu führen. Sie vereint der Stolz und die Genugtuung auf das in der DDR- Zeit Geleistete. Sie unterscheidet, dass man nach 1990 ganz unterschiedliche Erfahrungen sammeln konnte oder musste -  als weitgehend Außenstehender oder als beruflich wieder Aktiver. Letztere hatten übrigens oft gute Möglichkeiten, analoge Prozesse, Managementstrukturen, Bildungsniveau  und Leistungsfähigkeit ihrer westdeutschen Kollegen zu vergleichen... .Die Gruppe der nach 1990 nicht mehr in den Arbeitsprozess tätigen Menschen kennen oftmals nur die äußere Facette des neuen Wirtschaftslebens, die "Performance" dieser Wirtschaftsprozesse wird oft überbewertet. Sie erleben die Innenseite der Wirtschaft und die Leistungskraft besonders im Bereich Forschung und Entwicklung nicht und können daher auch schwer die Erkenntnis gewinnen  - "die kochen auch nur mit Wasser". Sie erfahren nicht direkt in ihrer Berufspraxis, dass es in der heutigen Marktwirtschaft besonders wichtig ist, "hohe Qualität und faire Preise" eines Produktes oder einer Leistung gut zu "verkaufen".... . Die Lebensleistung der Beschäftigten der DDR- Betriebe war in der Regel durchaus mit der von BRD - Firmen direkt vergleichbar, allerdings waren gewisse Marketing- Gepflogenheiten in der DDR unbekannt... .

In den "neuen" Ländern hat die Erinnerung der älteren Menschen an ihr "erstes professionelles Leben" einen besonderen Stellenwert. Sie stellen sich neben dem Streben nach  Gemeinschaft und Geselligkeit  intuitiv oder bewusst gegen die nach wie vor praktizierte Missachtung oder Geringschätzung ihrer Lebensleistung. Hunderte "Kollektive"  schreiben ihre Geschichte auf, gestalten WEB- Seiten, sammeln historisches Material und organisieren Jubiläen des Bestehens ihrer ehemaligen Wirkungsstätten. Auch Fernsehen und Rundfunk Ostdeutschlands  widmen sich derartigen Themen.

Den Menschen im Osten geht es um die faire Bewertung ihres Lebens, ihrer Leistungen und vorrangig ihrer beruflichen Erfahrungen. Eine rein materielle Sicherheit macht einen Menschen nicht froh, wenn ihm die Anerkennung dessen, was er geleistet hat bzw. zu leisten vermag, versagt wird, fehlt! Es ist darüber hinaus ein untaugliches Unterfangen, die Wertung der Lebensleistung  mit dem Stempel "erbracht in der DDR" zu versehen.  Eine Darstellung dieser Art soll bereits den Stempel der Zweitklassigkeit implizieren.

Wer eine derartige Klassifizierung seiner Lebensleistung

- "Erbracht im "Unrechtsstaat" DDR" -

akzeptiert, akzeptiert auch alle Facetten der heute noch praktizierten Zweiklassengesellschaft.

 

Eine Gleichbehandlung der Menschen schließt auch die  Menschen ein, die ab Einigungsvertrag BRD- Bürger wurden.

 

  • Mit dem Namen von A.N.Kossygin (UdSSR- Ministerpräsident von 1964 bis 10/1980- der Blütezeit der Entwicklung des ESER) , war der weitest reichende Ökonomie- Reformversuch in der UdSSR verbunden, der allerdings weitgehend in den Dogmen des sowjetischen Ökonomie- Modells steckenblieb;

  • Hans Kalt "In Stalins langem Schatten" ( Zur Geschichte der Sowjetunion und zum Scheitern des sowjetischen Modells) 2. Auflage 2010; ©PapyRossa VerlagsGmbH & Co. KG; ISBN 978-3-89438-434-0  ;   

  • siehe Egon Krenz, "Herbst '89", Seite 73 u.f. ; ISBN 978-3-360-01806-9

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