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Man kann mit aktuellen
Begriffen sagen, dass das ESER- Abkommen die Bildung
eines "virtuellen internationalen Konzerns"
zum Ziel und zur Folge hatte, der in allen wesentlichen
Systemfragen von den verantwortlichen Organisationen der
Regierung der UdSSR geführt wurde. Das System "ESER" hatte
höchste strategische Bedeutung für die Schaffung einer modernen
universellen, vorrangig zivilen Informations- Industrie und IT-
Anwendung in den Teilnehmerstaaten , besonders in den
Hauptentwickler- und -Produktionsstaaten UdSSR, DDR und VRB
(Bulgarien). Allerdings waren die wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen ( Geschäftsfeldplanung, Investments,
Preisbildung u.a.) sehr wenig vergleichbar mit der Arbeit eines
typischen westlichen Konzerns.
Hier soll vorrangig eine Erläuterung bzw. Vertiefung des
Verständnisses der Rahmenbedingungen erfolgen , unter denen
sich die Entwicklung der wissenschaftlich-technischen und
auch der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zum ESER
gestaltete. Die Informationen über Fakten der Geschichte der
UdSSR-IT sind für das Verständnis der Gesamtzusammenhänge
unverzichtbar, d.h. ohne die geschlossene Darstellung dieser
Kooperation wird die Gesamtheit des ESER nicht verständlich.
Aber auch Informationen zu den die mit höchster staatlicher
Unterstützung weiterlaufenden Arbeiten zu Supercomputern
runden dieses Bild ab (s. u.).
Wichtige technisch-systemtechnische Aspekte der ESER- Arbeit:
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Zweck der Arbeiten im ESER- System war die
Produktion und Nutzung eines Systems moderner Rechentechnik
für den umfassenden Einsatz in der Volkswirtschaft, welches
von seiner Systemarchitektur international
anerkannte Normen erfüllte. Um Zeit und Aufwand
sowie Entscheidungsprozesse zu sparen und viele Arbeiten der
Anwendungs- Vorbereitung weitgehend parallel zu gestalten,
diente die international führende Systemarchitektur /360 der
Firma IBM als "Prototyp" und als
unbestrittene Entwicklungsvision;
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die Komplettierung von IT- Systemen aus Komponenten
verschiedener Teilnehmerstaaten sollte durch Spezialisierung
einzelner Großbetriebe der Teilnehmerländer auf bestimmte
Technologien und Produkte erfolgen und die unternehmerisch
erforderlichen hohen Stückzahlen
ermöglichen. Das war aber auch mit wesentlichen Risiken und
später Hemmnissen verbunden ( Liefertreue,
Preisabhängigkeit, Kapazitäten,.. ) .
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Die Spezialisierung erforderte eine strenge,
tiefgehende systemtechnische und technische
Standardisierung, die jedoch den technischen
Standards und technischen Möglichkeiten der UdSSR
entsprechen musste. Da diese in
systementscheidenden Fragen grundsätzliche
Abweichungen zu westlichen Standards haben,
war z.B. die gesamte konstruktiv- technologische
Basis "made by ESER". Der Nachweis der Einhaltung
dieser "Allgemeinen technischen Forderungen" war die
Hauptbedingung erfolgreicher Exporttätigkeit in die
UdSSR;
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Die UdSSR-Grundsätze der Entwicklung und des
Einsatzes strategisch wichtiger Güter waren
absolut bindend:
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vollständige Unabhängigkeit aller
technischen Komponenten von Importen
von außerhalb des RGW (Comecon) für den
Produktionszeitraum/ Anwendungszeitraum und
strenge Ausnahmen im Entwicklungszeitraum;
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Einhaltung der technischen Standards der
UdSSR für eine Klasse" stationärer
Rechentechnik", welche unter
härtesten klimatischen und logistischen
Bedingungen zum Einsatzort transportierbar
sein mussten und dort auch für zivile Nutzung
extremen Betriebsbedingungen zu genügen
hatten;
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hohe Verfügbarkeit und Einhaltung
wesentlicher Eigenschaften für eine
nationale, lokale Service- Betreuung durch
UdSSR- Dienste;
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die konstruktive Möglichkeit der
Installation der Technik in geschützten
Räumen
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Existenz einer vergleichbaren
zweiten Produktionsstätte ( second
source) bei Kernkomponenten u.a.
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Wesentliche wirtschaftliche Aspekte für
Entwickler/ Produzenten :
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Im Planungssektor
bestanden auf Regierungsebene bestimmte Rahmenprotokolle für
einen 5- Jahreszeitraum , jedoch war die o.g.
Spezialisierung keineswegs verbindlich mit Liefermengen
verknüpft. Auf Ebene der nationalen Planungsorgane wirkte
eher ein stark marktwirtschaftliches Szenario, so dass die
Entwicklung einer Produktreihe und der Aufbau zugehöriger,
z. Teil enorm teurer Fertigungs- Technologie stark abhängig
waren von nationalen Planungen und einem gewissen
"Qualitäts- Image" beim Exportland. Andererseits war eine
gelungene Markteinführung beinahe ein "Selbstläufer" beim
UdSSR-Vertrieb, der eher ein Verteilungsprozess war.
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Die Management- Ebene der Firmen der Teilnehmerländer hatte
in Form der ESER- Organisation einen zweifellos hochrangigen
Zugang in Regierungskreise der UdSSR, vor allem auf Ebene
der Plankommission und des Ministeriums für Radioindustrie
(MRI) .
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Die Entwicklung/Export von sog. "Zentraleinheiten"
(Prozessoreinheiten) war praktisch unabdingbar verknüpft mit
der Notwendigkeit, dafür geeignete eigene
(schutzrechtsfreie) Operationssysteme (OS)
bereitzustellen. Die Preise für Operationssysteme wurden
ohne Anwendung üblicher Lizenz- Gebühren gemäß
ihrem "reinem Produktionsaufwand" gebildet.
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Die Entwicklung der OS für "Zentraleinheiten"
musste daher
durch geeignete zweiseitige Kooperation mit
der UdSSR erfolgen, der DDR- Anteil an den OS- Entwicklungen
des ESER war sehr teuer, diente aber als Sicherheit für den
UdSSR Export und wurde über Umlagen auf den Hardwarepreis
refinanziert.
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Die Leistungen bei der OS- Entwicklung
durch DDR- Spezialisten, die bei entscheidenden OS
ca. 50% des Entwicklungsumfanges auf zweiseitiger
paritätischer Vertragsbasis erbrachten
(
Betriebssysteme des ESER)
, sind ein besonders gelungenes Kapitel der
zurückliegenden Arbeit und wirken bis in die
Gegenwart nachhaltig positiv für viele ehemalige
Mitarbeiter. (siehe auch
Chancen nach 1990)
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Zu bemerken ist hier auch ,
dass das Ministerium für Radioindustrie als ESER-
Leitministerium gleichzeitig
stark in Aufgaben im Bereich der Landesverteidigung der
UdSSR eingebunden war. Es setzte daher seine Kapazitäten zum
Teil anteilig für diese Aufgaben ein, zu denen ausländische
Spezialisten oder Firmen keinerlei Zugang hatten, aber deren
Einfluss durch Besonderheiten bestimmter Aufgabenstellungen
immer wieder spürbar war.
Das Ministerium selbst
konnte seine Koordinierungsaufgabe innerhalb der russischen
Regierung gleichzeitig im Sinne eines "langen ESER- Hebels"
nutzen, um Entscheidungen zu Ressourcen,
Technologieentwicklungen usw. günstig zu gestalten,
insbesondere im Zeitraum bis ca. 1985 . Nach der zweiten
ESER- Ausstellung Moskau erfolgte z.B. in der UdSSR ein
regelrechter Investitions- Boom in die Branche, der aber
keine nachhaltige Kontinuität sicherte. Die UdSSR benötigte
" strategische Supercomputer", deren Auftraggeber im
Militär- Industriekomplex stark an der Weiterführung der
Elbrus- Architektur interessiert waren. Alle Ressourcen der
Mikroelektronik wurden strategisch orientiert... .
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Um das ESER
bestand ein breites Informationstechnik- Umfeld
Die Geschichte der
Digitalen "elektrischen" Rechentechnik beginnt in der
UdSSR - wie auch in anderen führenden Industriestaaten-
Ende der 40er- Jahre (des schon vergangenen Jh.). Es war uns
daher ein spezielles Anliegen, diese historischen Wurzeln
und deren Triebkräfte im Anschnitt
vor allem dem deutschsprachigen Leser näher zu bringen.
Aber auch die Etappe ab
1970 wurde nicht durch das ESER
monopolisiert. Die parallel laufenden Arbeiten und
Fakten sind bemerkenswert.
Es sei -durchaus relevant zur
ESER Geschichte- daher noch auf die
Etappe der
Supercomputer
in der UdSSR und die aktuellen staatlichen Programme
zur Entwicklung der Informatik/ Rechentechnik, vorrangig im
strategischen
Bereich der Hochleistungs- Architektur verwiesen,
die nach 2000 in der RF aufgelegt wurden. |
Die
einzelnen Unterseiten dieser Seite werden diese Aussagen vertiefen.
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Bild oben : Der Generalkonstrukteur V.V. Prschijalkowskij erläutert dem
Mitglied des Politbüros des ZK KPdSU und UdSSR-Ministerpräsidenten
Kosygin und dem Minister für Radioindustrie Pleschakow Pläne.
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