Zwei Architekturlinien
 
 
 
Beiträge zur DDR- Geschichte des EinheitsSystem der Elektronischen Rechentechnik (1968-1990)
 
 
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Vorgeschichte der IT der DDR vor 1970
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Zwei Architekturlinien
 
 
zwei Architektur-Linien bei Robotron

 

Der Industriestaat DDR hatte, am internationalen Vergleich der sozialistischen Staaten gemessen, pro Kopf noch Anfang der 80er Jahre die größte Dichte an modernen Technologiefeldern. Und es bestand ...ein gravierender Versorgungsmangel, was neue Ausrüstungen, Materialien und Bauelemente für ihre Weiterentwicklung betraf.

Die Embargo- Politik von USA und NATO, sowie der enorme Devisenmangel als Ausdruck der Isolation am Weltmarkt und der geringen Leistungsfähigkeit der Wirtschaft einerseits, und andererseits die fehlende Möglichkeit, in Ostblockländern das zu kaufen, was hohen Anforderungen entsprach und für eine schnelle dynamische Weiterentwicklung zwingend war, waren der Grund für einen unausweichlich immer stärker anwachsenden technischen Rückstand. Die fehlende internationale Kooperation konnte durch noch so hochgesteckte Ziele der Führung des Staates nicht weggeredet werden, ganz zu schweigen von den Möglichkeiten, der sich entwickelnden globalen Wirtschaft etwas substantiell Hochwertiges entgegenzusetzen. .

Eine analoge Mangelsituation bestand in der UdSSR und anderen Ländern des ESER, der Bedarf war höher als das Aufkommen und die Finanzierungsmittel und im RGB bilanzierten Transferrubel.Der isolierte sozialistische Wirtschaftsraum befand sich durch diese "negative Rückkopplung" in einer Abwärtspirale.

In dieser Lage entstanden in der DDR verschiedene pseudomoderne technokratische Konzepte, wie CAD/CAM oder CIM. Milliarden Schulden wurden aufgenommen, um Importe aus der BRD und anderen entwickelten Staaten zu finanzieren. Darunter waren auch echtzeitorientierte moderne CAD-Rechner + Software. Auf dem Gebiet der RT wurde die 32-Bit- Rechentechnik (32-Bit VAX / Linie) zu einem Wundermittel stilisiert, das unbedingt im Eigenaufkommen der DDR entwickelt und "produziert" werden mußte.

Die Leitung des Kombinat ROBOTRON war diesem Zwang ebenso ausgesetzt, wie z.B. das Kombinat Mikroelektronik u.a. wichtige Kooperationspartner der ESER-Rechentechnik. Eindeutige Analysen der ESER- Fachleute und ihrer Partner zur Unmöglichkeit, ESER und 32-Bit (K184X) im Rahmen Robotron und im Rahmen der Zulieferíndustrie als zwei parallele Linien zu bilanzieren , was nicht nur die Architekturen , sondern den gesamten technologisch- konstruktiven Inhalt und dessen Entwicklungsphilosophie betraf , wurden ignoriert bzw. durch "Ideologie" unterbunden.

 

Aber auch auf dem Gebiet der Arbeitsplatz- Computer wurde nicht sorgfältig geprüft und koordiniert, welche Architektur und Basis- Konstruktion für die Versorgung der DDR und als Export- Schlager geeignet wäre. Anders ist wohl nicht zu verstehen, warum bei 16 Bit- Personalcomputern der Linie A71xx Lösungen gewählt wurden , die sich von der international "state of the art" PC- Linie konstruktiv und logisch unterschieden und zwangsweise zu Doppelarbeit , Mehraufwand und letztlich bei eng begrenzter Entwicklerkapazität zu Tempoverlust führte.

Zu den "Host"- Architekturen erläuterten Verantwortliche des Fachgebietes E2 schon 1987 an verschiedenen "zentralen" Stellen und in klaren Dokumenten diese o.g.Fakten. Ein Auszug aus der>> Realisierungskonzeption für ESER Reihe 4 (.doc; 2,5 MByte , ... .doc) aus dem Jahre 1987 und ein Grundsatz- Papier an das MEE>> Grundfragen der RT_CK sind noch erhalten.

Unsere Argumente zugunsten der hohen und noch längere Zeit stabilen Export-Rentabilität der ESER- Technik in die UdSSR (es war genau bekannt, dass in der UdSSR der gleiche Technologie- Rückstad bestand) und zur hohen Einsatzdichte der ESER-Anwendungen in wichtigen DDR- Kombinaten, Staatsorganen, Handel und Verkehr, Forschung und Entwicklung usw. waren für Dresden und Berlin ideologisch unpassend ! Natürlich war in dieser Phase auf Lieferungen guter 32- Bit Rechner aus der UdSSR kaum mehr wirklich zu hoffen. Und natürlich musste in dieser Phase auch der Bedarf an dieser Technik objektiv gedeckt werden, aber war der Import fertiger Maschinen nicht wirtschaftlich sinnvoller, zumal eine "prototyp- nahe" Eigenentwicklung großer 32-bit-Rechner ohne echte Ablösekonzeption der LSI- Spezial-Schaltkreisbasis bleiben mußte , wie sie z.B. bei Intel-286 /386 basierten Architekturen real war.

Es bestand keinerlei wirtschaftliche oder systemtechnische Notwendigkeit, dass  sich unter den bekannten wirtschaftlichen Fakten die Leitung des Kombinates Robotron  und das Ministerium EE  ab ca. 1886 von der Perspektive der ESER-EDVA distanzierte, denn es war für jeden Fachmann klar absehbar, dass die 32-Bit-VAX-Linie mit  Modellen größerer Leistung wenige Zeit später die gleichen technologischen  Hürden zu überwinden hat, wie die ESER-Linie, sofern eine eigene SK- Basis zum Einsatz käme. Eine Adaptions- Entwicklung der Art K18xx war nicht fähig, die Eigendynamik der Entwicklung der CMOS-Technologie der DDR, speziell der Gate Array-Technologie für logische Entwürfe zu nutzen.

Die ESER- Entwicklungsmannschaft in Karl- Marx- Stadt machte in dieser Situation die Entwicklung der ESER- Personal- Computer-Linie EC 1834 und 1835 in verstärktem Umfang zu einem Mittel, das Entwicklungs- Potential "nützlich zu parken" und damit quasi eine zweite Produklinie zu entwickeln, die perspektivisch mit ihrem hohen Leistungspotential und mit dem Charakter einer Groß- Produktion sehr bedeutsam wurde. Unsere IBM- kompatiblen PC begannen in der DDR einen Triumpf- Zug und waren in der UdSSR sehr begehrt. Sie gaben der ESER- Linie auch die(!) Chance, eigene CMOS- Gate-Array- SK aus Dresden zu einer neuen Bauelementebasis des ESER reifen zu lassen>> ESER-DDR Umfeld Systementwurf Technologie.htm) . Die Umstände dafür waren günstig , denn in der DDR- Industrie war das SK- Sortiment des EC 1835 - nach dem damals vorhanden DDR- Blick "auf die Welt" weitgehend gesichert >> Koordinierungsvereinbarung zum U5300 (Auszug) . Mehr dazu auch im Abschnitt >> Vorlaufarbeiten.

ZumEC 1835 und des darin verbauten ersten Gate- Arrays U5301FC003 siehe auch den Artikel "EC1835" in Wikipedia.

 

Und noch folgende Fakten:

  • 1989/1990 wurden noch ca. 150 Stück EC 1057 gebaut und viele traditionell exportiert.

  • Auch etwa 8.000 Stück ESER- PC EC 1834/EC 1834M wurden noch bis ca. Ende 1991(!) aus Sömmerda und Chemnitz in die UdSSR geliefert, anteilig mit importierten Baugruppen..

  • Das neue 32-Bit TOP- Modell K184X war unter DDR- Bedingungen (wegen der fehlenden eigenen Schaltkreis- Basis u.a.) praktisch nicht produktionsreif.

Beide Architektur- Linien verloren in der DDR ab 18.03.1990 abrupt ihre Bedeutung! Die nachfolgende fragwürdige Umstellung des transferablen Rubel (TRbl) auf 2,34 DM (am 01.07.1990) beschleunigte diesen Prozess enorm, beim traditionellen UdSSR- Partner gab es keine harte Valuta -nur nach Restbestände an TRbl. !

Längerfristig betrachtet war die Hochtechnologie Rechentechnik als großer Produktionsfaktor aber auch ohne deratige Fehleinschätzungen in alten oder neuen Strukturen nicht konkurrenzfähig. Selbst zwei Große der Branche orientierten in perspektivischer Vorausschau Anfang der 90-er auf den Auslauf der Fertigungen in Deutschland (IBM) bzw. waren wirtschaftlich gehalten, ihre Mainframe- Produktion in Deutschland 1994 einzustellen (Siemens). Bei PC- Fertigungen ringt 2007 der letzte große europäische Fertigungsbetrieb um schwarze Zahlen, die mit dem Branchendurchschnitt vergleichbar wären.

 

 
© Dr.Jungnickel